Um 12 Uhr mittags und gegen 18 Uhr finden sich lange Schlangen vor den Ramen-Restaurants in und um die Immermannstraße:


Egal wie lang die Schlange vor einem japanischen Ramen-Restaurant ist, sie bedeutet meistens trotzdem keine allzu lange Wartezeit. Wobei schon die Bezeichnung „Restaurant“ für japanische Ohren kurios klingt. Denn in Japan sind Ramen-Suppen eher „Fast Food“ – und wir würden einen Bratwurst-Imbiss auch nicht „Restaurant“ nennen. Deshalb nennen sich einige Ramen-Restaurants auch „Ramen Bar“.
Für Japaner ist das Essen von Ramen-Nudelsuppe in etwa vergleichbar mit einem Tankstopp fürs Auto: Der Magen hat Hunger, man geht hin, isst, steht zeitnah danach auf, zahlt an der Kasse am Ausgang und verlässt das Restaurant wieder. Nach dem Essen bleibt man in einem Ramen-Restaurant also nicht sitzen und redet miteinander. Das tut man in Kneipen (Izakayas) oder in echten Restaurants. Wobei man traditionell nach dem Essen zum Socializing in Karaoke-Bars wechselt.
Die Wartezeit perfektioniert hat das NaNiWa (Ecke Oststraße / Klosterstraße). Mitarbeitende teilen an die Wartenden bereits die Speisekarten aus und nehmen die Bestellung auf. All diese Dinge werden sonst im Sitzen am Tisch gemacht und verlängern die Belegzeiten der Tische. Wird der Gast zu einem Tisch geleitet, bleibt kaum Zeit um Ausziehen der Jacken, schon steht die Schüssel mit dampfenden Ramen vor einem. Ohne weitere Wartezeit. Effizienter geht’s nicht. Man isst… und spätestens nach einer halben Stunde ist der Ramen aufgegessen und der Tisch wieder frei für die nächsten Gäste. Daher die angesichts der Länge der Schlangen relativ kurzen Wartezeiten.
Das erklärt auch, weshalb man in Ramen-Bars nicht Reservieren kann. Oder haben Sie schon mal im Currywurst-Imbiss reserviert?
Japaner sind zu höflich, darauf hinzuweisen, dass das Verweilen zum Plaudern im Grunde unüblich bis unerwünscht ist. Da sollte man sich selbst disziplinieren, um interkulturelle Dissonanzen zu vermeiden.
Immer wieder werde ich während meiner Führungen nach den besten der Ramen-Bars gefragt. Indem Blog-Artikel „Wo es die besten Ramen gibt“ habe ich versucht, diese Frage zu beantworten. Meine Erkenntnis: DAS BESTE Ramen-Restaurant gibt’s nicht! Essen ist halt Geschmackssache.
Hier habe ich über die südjapanischen Suppen im Takezo geschrieben.
Hast Du Dir schon mal Gedanken zu den Essstäbchen gemacht? Hier ist meine Kleine-Stäbchenkunde.

