Die Raupe Nimmersatt erklettert die Stadt

Alle reden derzeit von den Eichenprozessionsspinnern. Ich entdecke seit einiger Zeit Raupen an Düsseldorfer Hauswänden. Sie sind bunt, blicken mit großen Augen erstaunt in die Welt – und sehen aus wie die kleine Raupe Nimmersatt aus dem Kinderbuch. Schön anzusehen, lassen diese Raupen meine Kinderseele erwachen und mich lächeln. Ich höre bei ihrem Anblick immer ein unhörbares „Oh“…

Auch am Ursulinengymnasium und sogar auf der Kö habe ich schon eine Raupe gesehen, an der Fassade von Coffee Fellows.

Hinter diesen freundlichen Raupen steht „OedchenImDorf“. „Ödchen“ ist ein regionaler Ausdruck im Rheinland, der heute nur noch selten gebraucht wird. Gemeint sind damit die Kotkügelchen von Raupen, die in der Biologie „Fraß“ genannt werden. Das Wort hängt vermutlich mit dem altdeutschen Verb „öden“ oder „veröden“ zusammen und bedeutet „leer machen“, „ausleeren“ oder „verderben“. Heute wird veröden vor allem im Zusammenhang mit Krampfadern verwendet. Verlassene und verödete Dörfer, Einöde… Ödchen wäre dann ein Diminutiv – das „kleine Kothäufchen“. In der Kinder- und Familiensprache heißt das dann: „Guck mal, die Raupe hat Ödchen gemacht!“ Eine anderes rheinisches Wort käme ebenfalls als etymologischer Ursprung infrage: *Öttchen“ oder „Ött“ bedeutet Schmutz oder Dreck – und wäre im Zusammenhang mit Raupen ebenfalls die „kleine schmutzige Hinterlassenschaft“.

Jüngst habe ich Oedchenimdorf auch bei einer Sticker-Collab am Rheinufer gefunden:

Ob das 1972 ein Hinweis auf das Geburtsjahr des Künstlers oder der Künstlerin ist? Irgendwie bin ich davon überzeugt, es handelt sich um „weibliche Kunst“ – falls man das so sagen darf. Habe lange überlegt, wieso ich dahinter eine Frau vermute. Das Ergebnis der Selbst-Analyse: Vermutlich würde ein Mann sich nicht verkleinern und „chen“ nennen. Ich jedenfalls finde zumindest die Raupen echt groß!

Du kannst der Künstlerin „Ödchen“ auf Instagram folgen: https://www.instagram.com/oedchenimdorf

In diesem Blog habe ich auch bereits über andere Düsseldorfer Street-Art-Künstler geschrieben, beispielsweise über „Metraeda“ und „Artitüde„.

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