Die Tonhalle erinnert an Karlrobert Kreiten

Der Name sagte mir gar nichts: Karl Robert Kreiten. Erstmals begegnete ich ihm bei einem Besuch der Tonhalle während des Flanierens in der Konzertpause. 1916-1943 steht auf dem Sockel unter seinem Namen. Als ich das Jahr seines Todes las, da schwante mir Böses. Und wie immer in solchen Fälle drückte ich auf den Auslöser – und fing an zu recherchieren.

Geboren wurde Karlrobert Kreiten am 26. Juni 1916 – in dieser Woche ist das 110 Jahre her. Happy Birthday!

Schon bald kam die erste Frage auf: Schrieb er sich Karl Robert in zwei Vornamen? Oder Karlrobert in einem Namen? Fast überall sind die beiden Namen zusammengezogen – nur hier auf dem Sockel nicht. Sogar auf der ihm gewidmeten Webseite karlrobertkreiten.de nutzt man die eine Schreibweise in der seitlichen Navigationsleiste und die andere im Rest der Texte. Ich halte mich hier an Wikipedia und schreibe ihn zusammen: Karlrobert_Kreiten.

Kreiten war ein begnadeter Pianist. Der weltberühmte Pianist Claudio Arrau sagte über ihn: „Karlrobert Kreiten war eines der größten Klaviertalente, die mir persönlich begegnet sind. Wäre er nicht durch das Nazi-Regime kurz vor Kriegsende hingerichtet worden, so hätte er, ohne Zweifel, seinen Platz als einer der größten deutschen Pianisten eingenommen.“

Im privaten Kreis sagte er im Jahr 1943 – als viele Menschen vermutlich bereits das gleiche dachten, dass der Krieg schon verloren sei. Eine Freundin seiner Mutter denunzierte ihn. Er wurde verhaftet, wegen Wehrkraftzersetzung verurteilt und in Berlin-Plötzensee gehängt.

Seine Eltern waren Theo Kreiten und die Mezzo-Sopranistin und Kammersängerin Emmy Kreiten-Barido. Die Hauskonzerte des musikalischen Ehepaares waren damals ein Mittelpunkt der musikalischen Gesellschaft ihrer Wahlheimat Düsseldorf.

Ein Freund der Familie Kreiten war Rudolf Baisch. Er war in der Düsseldorfer Künstlerszene aktiv, von der Nachkriegszeit bis in die 1970er-Jahre. Er nahm oft an den Soiréen der Kreitens teil. Um 1935 saß die Tochter Rosemarie Sofie Kreiten Modell. Nach der Ermordung durch die Nationalsozialisten schuf Baisch eine Gedenkbüste von Karlrobert, die sich heute im Düsseldorfer Stadtmuseum befindet – und diese hier.

Baisch schuf auch die Porträtköpfe von Hans Müller-Schlösser, Paul Henckels und seiner Frau Thea, die in der Bolkerstraße hängen und über die ich in diesem Blog bereits hier geschrieben habe: Wat bin ich eine schöne Leich.

Interessant ist, dass Kreiten ein Gegenüber hat, mit dem seine Büste quasi Zwiesprache hält: Unweit steht der weiße Marmorkopf von Wilhelm Kreis, dem Architekten des Ehrenhof-Ensembles. Geschaffen wurde der Kopf von Arno Breker. Über ihn habe ich in diesem Blog auch schon geschrieben: Hitlers Lieblingsbildhauer. Ob sich der Nazi-Profiteur und das Nazi-Opfer im realen Leben etwas zu sagen gehabt hätten?

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