Walter Scheel war eng mit Düsseldorf verbunden

Walter Scheel verortete ich immer nach Solingen. Vielleicht weil ich zu jung bin, um die Aktivitäten des ehemaligen Bundespräsidenten und langjährigen FDP-Abgeordneten des Landtags NRW und des Bundestags – in Düsseldorf mitbekommen zu haben? Denn von 1957 bis 1969 vertrat er den Wahlkreis Düsseldorf I im Bundestag. Am 8. Juli 1919 wurde er in Solingen-Höhscheid geboren, also übermorgen vor 107 Jahren.

Zeitlebens war der vierte Bundespräsident eng verbunden mit dem Rheinland – und seit 1979 ist er Ehrenbürger von Düsseldorf.

Zeitlebens ein passionierter Golfspieler, setzte sich Scheel dafür ein, diesem Sport sein elitäres Image zu nehmen und ihn als Volkssport zu propagieren, so wie er es auch in den USA ist. Deshalb weihte Scheel auch den öffentlichen Golfplatz auf der Lausward mit ein.

Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Scheel in Düsseldorf. Er war 1945 bis 1953 als Geschäftsführer in Industrieunternehmen und verschiedenen Verbänden tätig. Danach arbeitete er hier als selbständiger Wirtschaftsberater. 1958 wurde er Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Intermarket, Die INTERMARKET Gesellschaft für internationale Markt- und Meinungsforschung mit beschränkter Haftung gibt es laut Unternehmensregister immer noch.

Im gleichen Jahr gründete er zusammen mit Gerhard Kienbaum das M&A-Unternehmen InterFinanz mit Sitz in Düsseldorf, das er bis Ende 1961 führte. Später verkaufte er seine Gesellschaftsanteile an die Mitgesellschafter. Der Name Kienbaum ist noch immer mit einer großen Beratungsgesellschaft verbunden, die allerdings in Köln ihre Sitz hat. Auch Interfinanz gibt es noch – mit eigener Webseite – und einem Firmensitz im Dreischeibenhaus.

Deutschlandweit bekannt war nicht nur der Politiker Walter Scheel, sondern auch seine Liebe zur Musik. Er nahm das Volkslied „Hoch auf dem gelben Wagen“ zusammen mit zwei Düsseldorfer Männergesangvereinen auf. Im Januar 1974 belegte das Lied Platz fünf der deutschen Singlecharts. Fun Fact dazu: Bei einem Besuch Scheels in Mali in den 1970ern wurde das Lied versehentlich an Stelle der deutschen Hymne eingespielt.

Bei einem Spaziergang über den Düsseldorfer Nordfriedhof entdeckte ich kürzlich das Grab der „Familie Walter Scheel“. Dabei kam die Vermutung auf, es handele sich um die letzte Ruhestätte eines der berühmtesten deutschen Krawattenträgers. Doch das Grab des Bundespräsidenten findet sich auf dem Waldfriedhof Zehlendorf als Ehrengrab der Stadt Berlin. In Düsseldorf ist „nur“ seine erste Ehefrau Eva begraben, die mit 45 Jahren an Krebs starb. Bekannter war seine zweite Ehefrau, die Ärztin Mildred Scheel. Wie man an der Anordnung der Namenstafel sieht, wartet Eva Scheel noch immer auf ihren Mann…

Sie können Friedhöfe – nicht nur den Düsseldorfer Nordfriedhof – auch mit Hilfe dieser App erkunden: http://app.wo-sie-ruhen.de/#

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