Stahlstäbe ragen in den Himmel und bewegen sich. Viele Jahre lang habe ich intuitiv nach dem Motor gesucht, der sie antreibt. Dabei löst der Wind die Bewegungen aus – ähnlich wie bei Mobiles von Alexander Calder. Von dessen Werken war der US-amerikanische Bildhauer George Rickey derart begeistert, dass er fortan versuchte, diese Leichtigkeit und Eleganz in seinen aus dem Boden wachsenden Werken umzusetzen. Mit jahrelanger „Ingenieursarbeit“ bei der Suche nach langlebigen Materialien und Präzisionslagern, die ihre Aufgabe erledigen, ohne durch Witterungseinflüsse gestoppt zu werden, wurde er zum Meister der kinetischen Kunst. Der leiseste Hauch genügt, und die Stäbe setzen sich in Bewegung.
In Düsseldorf haben wir zwei Werke von Rickey: eines im Nordpark

und eines im Medienhafen neben dem Landtag:

Rickey war fasziniert von der Beziehung zwischen Kunst und Natur. Seine Skulpturen sind wie Bäume: Sie wurzeln fest im Boden, und oben an dem Stamm bewegen sich Äste wie Blätter im Wind. Allein schon diese Assoziation finde ich ungeheuer poetisch.
Jeder Arm des Windspiels bewegt sich unabhängig voneinander. Die Drehwinkel sind vorgegeben. Hier treffen Zufall und vorbestimmte Richtung aufeinander. Wer sich mit dieser kinetischen Kunst auseinandersetzt, gelangt fast zwangsläufig ins Philosophieren: Ist unser Leben vorbestimmt und schicksalhaft? Oder letzten Endes doch ein großes Würfelspiel aus einem Zufallsgenerator?
George Rickey starb am 17. Juli 2002, also ziemlich genau vor 24 Jahren. Aber seine Kunst ist lebendig. Sie drängt sich nicht auf. Und doch fällt ihre Bewegung vielen Passanten im Augenwinkel auf und lässt sie innehalten. Sie bleiben kurz stehen, empfinden Ästhetik und suchen – genau wie ich – nach dem Motor. So motiviert diese kinetische Kunst die Suche nach der Wahrheit und dem Ursprung (woher kommt diese stetige Bewegung und die Drehungen?) und versetzt auch den flüchtigen Betrachter ins Philosophieren… wenn natürlich meist unbewusst. Aber das soll so sein – und für mich zählen diese Edelstahlstäbe von George Rickey zu den am meisten unterschätzten Kunstwerken im öffentlichen Raum.
Haben Sie nun Lust bekommen, mit mir durch den Medienhafen oder den Nordpark zu spazieren? Oder sich oft übersehene Kunstwerke im öffentlichen Raum anzuschauen? Dann kontaktieren Sie mich!

