Wie oft bin ich an dieser Eisenskulptur vorbeigegangen oder mit dem Fahrrad vorbeigefahren und habe sie höchstens als Hindernis auf meinem Weg wahrgenommen? Kürzlich habe ich mal genauer hingeschaut. Ernst Hesse hat sie erschaffen, und sie hat keinen Titel – „Ohne Titel“, so steht es auf der kleinen, in den Boden daneben eingelassenen Plakette. Darunter steht ein Satz: „Es gibt nichts mehr, wohin es sich zurückziehen lässt“. Dieser Satz wird dem ehemaligen russischen Präsidenten Michail Gorbatschow zugeschrieben.




Hesse hatte sich für seine unauffällige, flache Eisenskulptur von 2,50 Metern Länge 5 Metern Breite ein stilles Plätzchen, einen ruhigen Ort gesucht. Er wird zitiert mit dem Wunsch, die Bodenarbeit solle „als Rückzugsort dienen, an dem man nachdenken und neue Energie tanken kann“.
Das Boden-Kunstwerk stammt aus der Ausstellung „Skulptur D-88“ aus dem Jahr 1988. Veranstaltet wurde diese Ausstellung zum 700jährigen Jubiläum der Stadtgründung im Sommer 1988 vom „Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen“, der 1898 von engagierten Künstlern gegründet worden war und in dem Jahr auch seinen 100sten Geburtstag feierte. 40 Künstler waren damals unter dem Motto „Skulptur D-88“ eingeladen, auf einer imaginären Achse Skulpturen zu platzieren und die Altstadt, die Akademie und den Museumskomplex am Ehrenhof zu verbinden.
1992 erwarb die Stadt diese Skulptur.
Außerhalb der Kunstszene bekannt wurde Ernst Hesse im Rahmen der Versteigerung der Kunstwerke von Helge Achenbach. Hesse hatte damals den Insolvenzverwalter Marc d’Avoine angezeigt, weil dieser Hesses Bilder angeblich unberechtigterweise in die Riesen-Versteigerung von Achenbachs Sammlung aufgenommen hatte. Unter anderem berichtete damals die Bild-Zeitung darüber: https://www.bild.de/regional/duesseldorf/kuenstler/zeigt-insolvenz-verwalter-an-41307106.bild.html Am Rande eines Interviews für einen Artikel in der Rheinische Post-Beilage „Insolvenz & Sanierung“ erinnerte sich Rechtsanwalt Marc d’Avoine: „Wir haben damals mit Herrn Hesse gesprochen, die Sachlage geklärt und schlussendlich alles einvernehmlich geklärt.“ In einem derart großen Verfahren mit so vielen Beteiligten sei es normal, dass einige Rechtsbeziehungen erst im Laufe des Verfahrens klar würden. Ende gut, alles gut :)
Mehr zu Ernst Hesse lässt sich in seinem Wikipedia-Eintrag nachlesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Hesse_(Bildhauer)
Standort:
Ostseite des Ehrenhofs
an der Inselstraße
Düsseldorf

