Heute lade ich Sie ein zu einer Stippvisite in einem meiner Lieblingsparks – hinter das Stadtmuseum. Unweit des Rosengartens…
In der Parkanlage hinter dem Palais Spee sitzt eine alte Dame in einem Ohrensessel unter einem Baum. „Alte Frau im Sessel“ heißt die Skulptur. Irgendetwas irritiert an der Darstellung – aber es hat einen Moment gedauert, bis ich die Irritation auflösen konnte: Die Frau hat drei Hände.


Bei der Bronzeplastik von Waldemar Otto handelt es sich um eine Darstellung der eigenen Mutter, die laut Künstler „mehr als zwei Hände“ gehabt habe, die zudem ständig in Bewegung gewesen seien. Wer auf die Webseite des im Jahr 2020 im Alter von 91 Jahren verstorbenen Otto schaut, der entdeckt in der Bildergalerie ein Foto seines Ateliers, auf dem ebendiese Plastik zu sehen ist: www.waldemar-otto.org. Einen Abguss seiner Mutter hat er also behalten.
Die Portraitplastik der Mutter ist im Jahre 1973 entstanden, wurde in der „Großen Düsseldorfer Kunstausstellung“ 1980 angekauft und 1981 in dieser Grünanlage aufgestellt. Otto, der vor allem für seine Torsi bekannt, die ab 1961 charakteristisch für sein Schaffen sind. Mit ihnen thematisiert er das Ausgesetztsein und die Zerrissenheit des Menschen. Und diese hier im Park sitzende alte Frau wirkt trotz ihrer geschäftigen drei Arme etwas einsam.
In jungen Jahren – 1957, also bereits mit 28 – wurde Otto mit dem Preis der Großen Berliner Kunstausstellung ausgezeichnet. 1961 entstanden seine ersten Torsi, die seitdem charakteristisch für sein Schaffen sind. Er schuf seine figurativen Werke im Diskurs des Existentialismus, wie ihn beispielsweise auch Francis Bacon, Alberto Giacometti und Alfred Hrdlicka führten.
1973 wurde er als Professor an die Hochschule für Künste Bremen berufen. Internationale Bekanntheit erreichte er durch Ausstellungen, unter anderem in Irland, Chile und der St. Petersburger Eremitage. Arbeitsaufenthalte führten ihn ins italienische Florenz und nach Indiana / USA.
Im Jahr 1948 begann Waldemar Otto sein Studium der Bildhauerei an der Hochschule für bildende Künste in Berlin. Dort studierte er unter anderem bei Renée Sintenis. Auch von ihr stehen Skulpturen im öffentlichen Raum Düsseldorfs – und über die habe ich in diesem Blog bereits geschrieben: Was Fohlen und Reh vereint und der Berliner Bär an der Berliner Allee. So kommt dann doch thematisch zusammen, was auf den ersten Blick nichts mit Düsseldorf zu tun hat…
Otto lebte bis zuletzt im Künstlerdorf Worpswede bei Bremen.
Wenn Sie nun Lust daran haben, mit mir Düsseldorfs Kunst zu erkunden – kontaktieren Sie mich!

