Durch die Legendenwelt Düsseldorfs geistert ein Gespenst: die weiße Frau. Rund um den Schlossturm soll sie spuken. Es handelt sich dabei um Jakobe von Baden, die den Intrigen am Düsseldorfer Hof zum Opfer fiel und deren gewaltsamer Tod nie aufgeklärt wurde.
Die ursprünglich „schwarzseidene Dame“ – ich schrieb dazu diesen Blog-Beitrag – wurde im Laufe der Zeit zu einem weißgekleideten Gespenst. Und dieses war Inspiration für ein historisches Werbemotiv, das noch heute an vielen Orten der Stadt sichtbar ist: die weiße Dame von Persil. Denn die Frau hält eine Packung des Waschmittels in der Hand.

Der Schnitt des weißen Kleides verrät, wann die „weiße Dame von Persil“ das Licht der Welt erblickte: in den 1920er Jahren. Henkel nimmt den damals bekannten Berliner Karikaturisten und Zeichner der Zeitschrift „Simplicissimus“ Kurt Heiligenstaedt unter Vertrag. Der Kunstmaler soll ein Persil-Plakat mit einer „luftig eleganten Dame“ gestalten. Die schönste Frau, die ihm einfällt, ist seine Freundin Erna Muchow. Mit ihr geht er als erstes in das berühmte Kaufhaus „KaDeWe“ am Berliner Alexanderplatz und kauft ihr ein weißes Kleid. Ein Florentiner-Hut rundet ihre Ausstattung ab – denn damals ging eine Dame nie ohne Kopfbedeckung auf die Straße. So steht die damals 18-Jährige ihm Modell. Ein durchaus kräftiger Windstoß gibt Bewegung in die Szene, sie muss den breitkrempigen Hut mit einer Hand festhalten. Und in der anderen Hand hält sie das Päckchen Persil.
So wird die Weiße Dame ab Ende 1922 zur ikonischen Werbefigur. Sie erscheint auf Plakaten und Emailleschildern und sogar auf Hausgiebeln. Die Porzellanmanufaktur Hutschenreuther fertigte in den 1980er Jahren sogar weiße Porzellanfiguren mit ihr. 1950 lernte sie sogar laufen und flanierte in einem Persil-Werbefilm über die Königsallee. Ihr Look wurde in den folgenden Jahrzehnten dem Zeitgeist angepasst und sie warb bis in die 1960er Jahre für Henkels Waschmittelmarke.
Ab 1925 gibt es auch sogenannten Normaluhren mit der Werbeikone. Diese Uhrensäulen stehen auf öffentlichen Plätzen in der Hauptstadt Berlin und in vielen anderen deutschen Städten. Im Zweiten Weltkrieg werden die meisten dieser Uhren zerstört. Doch Henkel ließ etliche davon ab 1983 wieder aufstellen. Heute findet man die weiße Persil-Dame angeblich in mehr als 20 deutschen Städte, nicht nur in Düsseldorf, sondern auch in Lünen, Krefeld, Büsum oder Mühlhausen in Thüringen. Die Uhr auf dem Burgplatz in der Düsseldorfer Altstadt – direkt vor dem Fortuna-Fanshop – wurde 1984 enthüllt.


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