Ein Besuch in der gläsernen Fabrik

Über den Killepitsch – diesem Düsseldorfer Kräuterlikör – habe ich in diesem Blog bereits ausführlich geschrieben, zum Beispiel dass es im Et Kabüffke eng und gemütlich ist. Vor Kurzem hatten wir Guides die Möglichkeit, die Gläserne Fabrik im Medienhafen zu besuchen. Wir hätten uns keinen besseren Guide durch die Fabrik wünschen können als den Vertriebsleiter Timo von Lieres und Wilkau, ein gebürtiger Hannoveraner. Er ist nicht nur Teil der Geschäftsführung, sondern gleichzeitig auch der Ehemann von Katharina Busch. Sie führt derzeit als erste Frau in fünfter Generation und in Doppelspitze mit ihrem Vater Peter Busch das Unternehmen. Die 6. Generation steht mit der inzwischen gut ein Jahr alten Tochter bereits in den Startlöchern.

Hier ein paar Eindrücke. Danke, dass ich die Fotos – auch die aus der Produktion – veröffentlichen darf.

Unten – vom Bürgersteig aus zu sehen – ist ein großer Raum à la Firmenmuseum. Hier stehen historische Maschinen und zeigen, wie anno damals der Killepitsch in die Flaschen kam und etikettiert wurde:

Angefangen hat die Familie Busch 1858 mit einer Destillerie, das heißt sie stellten ihren Alkohol selbst her. Weil der Alkohol zugekauft wird, ist es keine Destillerie mehr, sondern „nur noch“ eine Likörfabrik.

Ursprünglich gab es in der Familie Busch mal rund 5000 Rezepte. Irgendwann fiel die Entscheidung, sich künftig nur noch auf ein Getränk zu konzentrieren und darauf alle Marketing- und Vertriebsanstrengungen zu konzentrieren: auf den Killepitsch. Die ebenfalls in deutlich geringerer Menge hergestellten Applepitsch und Gin sind solche alten Rezepte.

Wenn die ganze gläserne Fabrik auf Hochtouren läuft, dann können bis zu 20.000 Flaschen pro Stunde abgefüllt werden. Im Durchschnitt liegt die Produktion bei rund 15.000 Flaschen in der Stunde. Die Produktionsstraße ist 120 Meter lang: Vorne bzw. unten kommen die einzelnen Zutaten per Rohrleitungen hinein, und hinten kommen fertige Paletten raus.

Willi Busch war Peter Busch Bruder in der dritten Generation. Er erfand das Rezept von Killepitsch. Ein handgeschriebenes Rezept wurde auch ins Fundament der gläsernen Fabrik einzementiert.

Zu den 98 Zutaten gehören Früchte, Wurzeln und Kräuter. Diese werden mit dem Verfahren der Mazeration drei Monate lang in Alkohol eingelegt. Danach wird der Sud ein erstes Mal gefiltert. Dieser sogenannte Premix wird zwei Stunden lang gemischt, damit es wirklich gleich verteilt ist. Danach wird Alkohol zugefügt, um 42 % zu erreichen.

Bis zum Einstieg von Peter Busch ins Unternehmen im Jahr 1985 wurden mehrere Getränke produziert. Er entschied, sich auf Killepitsch zu konzentrieren und steuerte um. Ab Mitte der 1990er Jahre gab es einen ersten großen Kunde: Die Metro listete das Getränke für ihre Großkunden. Peter Busch erzählte, dass er früher um 7 Uhr morgens in den Betrieb kam, und um 8 Uhr schon angeduselt war durch den Alkohol in der Luft. Denn damals waren die Tanks noch offen.

Ursprünglich war die Produktion in der Bastionstraße 9. Doch es musste eine moderne Produktionsstätte her für die angepeilten größeren Mengen. Deshalb gab es ebenfalls Mitte der 1990er erste Kontakte mit der Stadt Düsseldorf bezüglich des Grundstücks im Hafen: 1000 Quadratmeter erschienen ideal für die neue gläserne Fabrik. Auf sechs Doppeletagen entsteht seither der Killepitsch. Ebenerdig ist die Warenannahme und der Warenausgang.

Im Erdgeschoss öffnete Timo von Lieres und Wilkau eine unscheinbare Tür, hinter der viele Rohrleitungen zu sehen sind. Schließlich müssen alle angelieferten Zutaten in die oberen Etagen gepumpt werden, wo sie zwischengelagert werden. Zucker ist einziger Rohstoff, der tagesaktuell geliefert wird, weil er sich nicht pumpen lässt, denn er würde die Rohre zusetzen.

Das Unternehmen setzt auf eine Vielzahl an Zulieferern, „damit keiner das ganze Rezept kennt“. Grundstoff ist ein fünffach destillierter Bio-Wodka aus Bioweizen. Dieser wird mit 96 % Alkoholgehalt angeliefert und in der Fabrik mit Düsseldorfer Wasser vermischt. Auch fast alle Mazerate werden zugeliefert. Ich saß bislang dem Trugschluss auf, dass die Farbe des Getränks von den Früchten, Kräutern und Wurzeln herrührt. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit: Für die Farbe wird Karamell hinzugegeben.

Das Tanklager mit 700.000 Liter Fassungsvermögen befindet sich in der ersten Etage. Drei Monate lang wird die Killepitsch-Mischung eingelagert. Dadurch tritt der Alkohol geschmacklich in den Hintergrund. Frisch produzierter Killepitsch schmeckt deutlich spritig, wovon wir uns bei einer kleinen Vergleichsprobe überzeugen konnten.

Übrigens: Das Killepitschherz stammt aus den 1950er Jahren. Es ist angelehnt an ein Seemannstatoo, was damals dem Zeitgeist entsprach.

Zum Abschluss unserer Fabrikbesichtigung durften wir auch einen Blick ins Steuerlager oder Zolllager werfen. Diese Lagerhalle ist abgeschlossen. Es gibt nur drei Schlüssel: einen hat Peter Busch, den zweiten haben Katharina und Timo, den dritten hat der Zoll. Hier geht es um
Branntweinsteuer. Durch den hohen Alkoholgehalt fallen mehr als 3 Euro Steuer pro Flasche an. Sollte eine Flasche in diesem Lager herunterfallen, zieht das einen Rattenschwanz an Verwaltungsaufwand nach sich: Das Vorkommnis ist zu dokumentieren, die Scherben aufzuheben – bis der Zoll es freigibt. Nur dann ist keine Branntweinsteuer fällig. Diese Vorgehen ist der Tatsache geschuldet, dass das Unternehmen steuerbefreiten Alkohol bezieht und die Steuer erst am Ende des Produktionsprozesses fällig ist. Im Steuerlager ist Platz für bis zu 200 Paletten.

Aktuell sind hier 38 Mitarbeitende tätig. Produktionsleiter Johnny stammt ursprünglich aus Sri Lanka. Er ist auf einigen historischen Unternehmensfotos zu sehen.

Auch zum Export wurden ein paar Sätze gesagt. Killepitsch wird in 38 Länder exportiert und der Export macht gut 5 % des Umsatzes aus. Für jedes Land einen exklusiven Generalimporteur. Vor dem Embargo war Russland ein großer Absatzmarkt. Auch Südafrika ist guter Markt, weil Killepitsch gut zu Grillfleisch passt. Momentan schielt der Vertrieb auf Südamerika. Uns interessierte angesichts der vielen Kreuzfahrt-Touristen aus den USA und Kanada, wie es denn mit dem Export dorthin aussieht. Der US-Generalimporteur heißt „Total Beverage Solution“ und sitzt in New York, weshalb Killepitsch vor allem rund um New York und an der Ostküste verkauft und ausgeschenkt wird.

Der größte Einzelkunde ist der Duty Free am Düsseldorfer Flughafen DUS. Im elften Jahr in Folge ist dort Killepitsch der am besten verkaufte Artikel.

Peter Busch GmbH & Co. KG (Killepitsch)
Gläserne Fabrik, Holzstraße 4
40221 Düsseldorf (Medienhafen)

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