Die aufrechte Nubierin entging knapp ihrem Tod

Im Rheingärtchen schreitet eine anmutige, schlanke Frau übers Wasser. Auf ihrem Kopf balanciert sie einen Tonkrug – vermutlich kommt sie gerade vom Brunnen und trägt das Wasser nach Hause, um dort damit zu kochen. „Die Nubierin“ lautet ihre offizielle Bezeichnung – aber auch die Namen „Die Wasserträgerin“ oder „Schreitende Wasserträgerin“ sind mir begegnet. Die Bronzestatue des Bildhauers Bernhard Sopher wurde im Jahr 1928 hier aufgestellt.

Dieser kleine Park ist ein Überbleibsel der GeSoLei, der Großen Ausstellung Düsseldorf 1926 für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen. Der Gartenarchitekt Walter von Engelhardt entwarf auch diesen als dauerhafte Grünanlage. Der auf einer Aussichtsterrasse am Rhein gelegene, kleinteilig gestaltete Blumengarten mit wechselnder Bepflanzung war von seinen Schöpfern als ein „Ort der Ruhe und Muße“ gedacht und soll an einen „behaglichen Hausgarten“ erinnern.

1938 wurde die Statue von offizieller Seite als „entartet“ diffamiert. Sie wurde abgebaut und sollte eingeschmolzen werden. Denn die Leitung der Kunstsammlung Düsseldorf hatte Sopher und seine Kunstwerke in einem Schreiben vom 5. Februar 1937 als von einen mit Berufsverbot belegten „Nichtarier“ als bedenklich angezeigt.

Sophers Frau kaufte die Skulptur zurück und konnte sie so vor der Vernichtung bewahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte sie die Nubierin dem Kunstmuseum Düsseldorf zur Verfügung. 1954 gelangte sie wieder an ihren ursprünglichen Platz in das Gartenparterre am Rheinufer.

Sopher kam in seinem Leben viel herum: Geboren wurde er im Juni 1879 im heutigen Nord-Israel. Damals gehörte sein Geburtsort Safed zum syrischen Teil des osmanischen Reichs, weshalb er die türkische Staatsbürgerschaft hatte. 1914 nahm Sopher die deutsche Staatsangehörigkeit an und diente als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg.

Ab 1908 lebte Sopher als freier Bildhauer in Düsseldorf. Er war bei allen großen Kunstbewegungen dabei: In den 1920er Jahren wurde er als Mitglied der Vereinigung Das Junge Rheinland bekannt. Dann trat er der Rheingruppe bei. Als Gast stellte er mit der Künstlergruppe Niederrhein aus. In den Jahren 1929 bis 1931 war er in der Künstlervereinigung Rheinische Sezession engagiert.

Sopher war jüdischer Herkunft und erhielt 1934 ein Berufsverbot. Im darauffolgenden Jahr emigrierte er in die USA. 1943 wurde er US-amerikanischer Staatsbürger.

Interessant ist, dass Details von seiner Überfahrt in die USA lediglich aus dem Tagebuch einer Hamburger Dame bekannt geworden sind. Ida Dehmel lernte an Bord der „Reliance“ den um einige Jahre jüngeren Bildhauer Sopher kennnen. Er wird zu ihrem treuen Reisegefährten. A Bord bot er Werke zum Kauf an und führte Auftragsarbeiten für amerikanische Passagiere aus.

Unweit der Nubierin hockt auch die Knöchelspielerin in einer neben Büschen – auch sie von Bernhard Sopher. Ihre Geschichte werde ich später noch erzählen.

Erstmals begegnet ist mir der Name Bernhard Sopher übrigens im Ehrenhof am Museum Kunstpalast. Dort sind zwei leere Sockel, auf denen früher einmal Skulpturen gestanden haben. Die Begründung, warum sie nicht mehr da sind, findet sich in Briefen, die an den Sockeln angebracht sind. Es sind Schreiben der Kunstsammlungen der Stadt Düsseldorf an den Oberbürgermeister vom 5. Februar 1937. Darin die Bitte um eine grundsätzliche Entscheidung, ob die Figuren stehenbleiben können, da der Künstler „Nichtarier“ sei. Die Antwort lautete „weg damit“. Die beiden Werke Sophers sind wohl verschollen, weshalb die Sockel heute verwaist sind.

Haben Sie nun Interesse bekommen, sich mit mir auf die Spuren von Kunstwerken im öffentlichen Raum zu begeben? Dann kontaktieren Sie mich!

Standort der Nubierin:
Rheingärtchen, Joseph-Beuys-Ufer

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