Sonnenuhr neben der Kunstakademie

Auf der Rheinwiese neben der Kunstakademie ragt ein stählerner Stab in den Himmel. Ist es ein mahnender Finger? Oder ein Verweis auf die Skulptur „Man walking to the Sky„, die seit der Dokumenta IX 1992 in Kassel steht? Ich jedenfalls habe beim ersten Mal, als ich diesen Stab bewusst wahrnahm, nach einem Männeken drauf gesucht.

Sorry – nicht das beste Foto. Einfach hingehen und selbst anschauen :)

Erst wenn man das Umfeld des Stabs anschaut, wir klar: Es ist eine große Sonnenuhr. Spätestens wer die Infotafel entdeckt, weiß Bescheid:

Das schräg gestellte Stahlrohr ist ein Gnomon. Diese Bezeichnung werde ich nie vergessen, denn sie klingt wie der „Gnom“ oder Zwerg. Wobei hier wirklich nichts Zwergenhaftes ist, den das Rohr ist vielmehr schlank und hoch aufragend. Andere Boden-Sonnenuhren verwenden einen Obelisken als Gnomon, beispielsweise auf der Halde Hoheward.

Obelisk mit Nodus (Kugel), Halde Hoheward, Foto: Wolfgang Büning

Hier in Düsseldorf am Rheinufer entspricht der Winkel des Stabs der geographischen Breite der Stadt.

Rings umher sind sieben „Bänke“, die mich immer an die Zinksärge in der Fürstengruft von Sankt Lambertus erinnern. Ich weiß, dass das eine seltsame Assoziation ist ;) Alle zwei Stunden steht eine Bank. Auf ihren Kopfseiten sind arabische und römische Zahlen zu sehen, die die Uhrzeit in Sommer- und Winterzeit ausweisen.

In den Boden ist ein Meridian eingelassen, der exakt in Nord-Süd-Ausrichtung gebaut wurde. Auf diesem sogenannten Mittagsmeridian lässt sich über den Höchststand der Sonne jeden Tag sogar das Datum ablesen.

Die Idee für diese Sonnenuhr stammt von Rolf Töpfer. Er hat an der Universität Bonn Geodäsie studiert, dabei unter anderem die Verfahren der astronomischen Ortsbestimmung erlernt. Er befasste sich seit den siebziger Jahre mit Sonnenuhren. Er nahm Diplommathematiker Willy Bachmann hinzu. Heute wird die Sonnenuhr im Register der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie unter den Kennnummern DGC 13999 und DGC 14000 aufgeführt.  

Der Schatten werfende Stab steht zudem exakt parallel zur Erdachse. Er ist auf den Polarstern ausgerichtet. Seine Höhe von 7,50 m üdem Boden bezieht sich auf das 75jährige Jubiläum der Düsseldorfer Jonges, die die 200.000 Euro für diese Sonnenuhr bezahlt haben.

Und zum Schluss noch ein Satz aus meinem alten Poesiealbum aus Schultagen: Mach es wie die Sonnenuhr – zähl die heit’ren Stunden nur!

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