Im Stadtmuseum spielt derzeit die Musik. Gestern wurde die neue Ausstellung „Jazz: Düsseldorf-Palermo“ eingeweiht. Der erste Saal strotzt mit Bildern – vor allem Porträts von Musikern mit ihren Instrumenten – des Malers und Grafikers Konrad Klapheck. Er zeichnet ein „erhabenes Porträt des Jazz“, wie Michael Kortländer, Vorstand des Düsseldorfer Vereins Palermo e.V., auf der Vernissage beschrieb. Für mich war es das erste Mal, dass ich dem Werk Konrad Klaphecks begegnete.
Konrad Klapheck war kein Jude – oft wird er „jüdischer Nichtjude“ bezeichnet. Später in seinem Leben trat er dem Judentum bei. Er engagierte sich im jüdischen Gemeindeleben Düsseldorfs. Seine Tochter Elisa Klapheck, ehemalige Redakteurin bei taz und Deutscher Welle, ist heute Rabbinerin in Frankfurt/Main.




Schallplatten und Porträtfotos beleuchten die Düsseldorfer Jazz-Szene. Für mich besonders interessant sind die kunstvoll gestalteten Plakate. Die darauf zu lesenden Plakate lösen in mir regelrechte Assoziationsketten aus.
Da ist beispielsweise Horst Geldmacher. Der Maler wurde in der Düsseldorfer Altstadt Flötchen genannt, weil er überall seine Blockflöte auspackte und spontan musizierte. Er war einer der ersten, die die Flöte zu einedm Instrument des Jazz machten. In einem Jazz-Trio war er mit dem späteren Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass aktiv, der das Waschbrett spielte. Zeitweise lebten die beiden sogar in einer WG. Grass verewigte das Trio in seinem Roman „Die Blechtrommel“: Bandleader Scholle trug im wahren Leben den Nachnamen Scholl. Und Geldmacher verbirgt sich hinter der Figur des „Münzer“. Nomen est Omen :)
Und wer weiß, dass Klaus Doldinger, der legendäre Saxophonist, Gründer der Band Passport und Komponist der Tatort-Melodie, zu den Mitgründern der Feetwarmers gehörte, weiß das orange Plakat ganz anders zu schätzen.



Doch nicht nur Düsseldorf war ein Hotspot des Jazz. Viele der frühen Jazz-Musiker in den USA hatten sizilianische Wurzeln. Und mit der Brass Group verfügt Palermo über einen der wichtigsten Jazz-Clubs Italiens.
In einem Raum, dessen Betreten erst ab 18 gestattet ist, hängen Bilder des 1966 in Palermo geborenen Malers Alessandro Bazan. Sie zeigen den „orgiastischen Rausch des Jazz“, wie Mit-Kurator Kortländer es beschrieb. Bazan beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Jazz. Für ihn steht der Jazz in enger Beziehung zu einem Lebensgefühl von Freiheit und Befreiung. Der wilde Jazz … so wie es heute kaum vorzustellen ist, wie sehr Jazz anfangs provoziert hat.


Mein persönliches Fazit zur Ausstellung: klein aber gut :)
Wenn ich an die Beziehung von Düsseldorf zu Palermo denke, dann kommt mir als erstes der Film „Palermo Shooting“ von Wim Wenders mit Campino in der Hauptrolle in den Sinn. Der sei allerdings „nicht gerade eine Werbung für seine Stadt“, sagte Palermos Oberbürgermeister Roberto Lagalla in seiner Rede auf der gestrigen Vernissage.
Düsseldorfs OB Stephan Keller wies auf die lange zurückreichenden Beziehungen zwischen Düsseldorf und Italien hin: Die Geschichte der Glashütte Gerresheim ist fest mit italienischer Kultur verbunden, Heinrich Heine bereiste Sizilien, und die Messe Düsseldorf richtet derzeit das deutsche Haus bei den olympischen Winterspielen aus. Eine weitere Gemeinsamkeit erwähnte Palermos OB: Die Fußballmannschaften beider Städte spielen derzeit in der 2. Liga – Palermo allerdings mit Hoffnungen auf den Aufstieg, während es bei Düsseldorf überhaupt nicht gut aussieht. Beiden überreichte Kortländer Fußballshirts mit einem speziellen Düsseldorf-Palermo-Design. Lagalla sagte, er wolle alles daran setzen, ein Freundschaftsspiel der beiden Teams zu organisieren – im Sinne des besseren Kennenlernens der beiden Städte.



Einmal im Monat wird der Jazz allerdings nicht nur an den Wänden hängen, sondern live gespielt. Die Konzerte sind an Donnerstagen: am 19. Februar, am 19. März, am 23. April, am 7. Mai, am 11. Juni, am 23. Juli, und am 6. August, jeweils um 18 Uhr. Der Eintritt ist kostenfrei.
Hier verlinke ich die offizielle Pressemitteilung der Stadt Düsseldorf zur aktuellen Ausstellung:
https://www2.duesseldorf.de/medienportal/pressedienst-einzelansicht/pld/jazz-in-duesseldorf-und-palermo-sonderausstellung-im-stadtmuseum
Jazz: Düsseldorf-Palermo
Stadtmuseum
bis 9. August 2026
PS: An Sonntagen ist übrigens der Eintritt ins Stadtmuseum frei – so wie in alle anderen städtischen Museen auch.
PPS: Wow – Sie haben bis hier gelesen! Dieser Blog-Beitrag ist etwas länger geworden, weil ich von Höcksken auf Stöcksken gekommen bin…

