Travertin vom Opernhaus war Vorbild für Kö-Bogen

Nachdem Daniel Libeskind den Auftrag für den Kö-Bogen erhalten hatte, kam er vermutlich als erstes nach Düsseldorf und schaute sich die Umgebung genau an, in der sein Gebäude dereinst stehen sollte. Das machen wohl die meisten großen Architekten so, wenngleich mir über einen solchen „Sondierungsbesuch“ nichts bekannt ist. Aber ich gehe einfach mal davon aus, denn eine Tatsache spricht dafür: Er verwendete für die Fassade des Kö-Bogens Travertin. Und genau dieser graue und poröse Kalkstein findet sich auch in der Fassade des Opernhauses wieder und stellt einen eindeutigen Bezug seines Neubaus zu dem benachbarten Bau her.

Warum überhaupt Travertin?
Das Baumaterial ist „Römischer Travertin“, und dieser lässt sich leicht bearbeiten. Sein Nachteil: Er verwittert schneller als andere Gesteine. Aber weil die Römer schon damit bauten, verweist seine Verwendung auf die Antike. In Düsseldorf gab es zwar keine Römer, aber die Antike ist durch den Travertin präsent. Dessen Einsatz war speziell nach dem 2. Weltkrieg in all den Kreisen „in“, die lieber rückwärtsgewandt als zukunftsweisend bauten.

Dazu zählte auch der Architekt Julius Schulte-Frohlinde, der das Opernhaus Ende der 50er-Jahre umgestaltete. Er stand für Monumentalarchitektur im sehr traditionellen Stil – und isnbesondere das Opernhaus ist ein Zeichen – denn das heute noch modern wirkende Schauspielhaus mit seinen geschwungenen Formen (Architekt: Bernhard Pfau) gab es da schon. Schulte-Frohlinde begründete seine konservative Architektur damit, dass Oper ja auch viel klassischer sei als Theater und Schauspiel.
Die Travertin-Front mit ihren schmalen, hohen Fensterfronten und den Fassadenreliefs des Düsseldorfer Bildhausers Ferdinand Heseding ist hierfür ein Beispiel. Die Rasterung, also die rhythmische Unterteilung der Fassade, ist ein typisches Stilmerkmal der 50er Jahre.

Dass Schulte-Frohlinde mit seiner NS-Vergangenheit überhaupt in Düsseldorf bauen durfte, wurde heftig kritisiert. Es kursierte ein Spottvers des Kom(m)ödchens über die Hintergründe und personalpolitischen Verflechtungen der Stadtentwicklung in Düsseldorf:
Aller Anfang ist der Ziegel
Und dann später der Zement,
Aber nichts hält so zusammen
Wie ’ne Clique, die sich kennt.

Mehr über die Architektur des Düsseldorfer Opernhauses:
https://www.wz.de/nrw/duesseldorf/die-oper-duesseldorf-ein-denkmal-und-seine-geschichte_aid-33122097

(Dank an Thomas Drechsel, dass ich sein Panorama-Foto des Kö-Bogens verwenden darf.)

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