Lichtkunst erinnert an die Synagoge

Genau zu der Stunde, als am 9. November 1938 Schergen der SS die Synagoge in Düsseldorf in Brand setzten und die Feuerwehr nicht löschte, ging 94 Jahre später das Licht an. Mischa Kuball, einer der bekanntesten zeitgenössischen Künstler aus Düsseldorf, installierte ein Lichtkunstwerk und projiziert Teile der Fassade der einstigen Synagoge auf eine Leinwand an der Stelle, wo sie einst stand. Er wolle die Synagoge zurück in die Wahrnehmung der Bevölkerung zu bringen, sagt der Professor für Public Art an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Seit 2015 ist er Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste, ein Jahr später wurde er mit dem Deutschen Lichtkunstpreis ausgezeichnet.

Immer wieder setzt Kuball Spotlights und macht mit seinen Projektoren, Strahlern und Scheinwerfern das Unsichtbare sichtbar. Hier holt er die Vergangenheit zurück – und kritisiert den Umgang der Gesellschaft mit Themen wie dem Holocaust und der Verfolgung von Minderheiten, die unter uns leben. Anlässlich der Eröffnung sagte Oded Horowitz, der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde, er finde das Projekt nicht nur wichtig für die Erinnerung an die ermordeten Menschen, sondern auch für das Bewusstsein, „wie schnell eine Zivilgesellschaft kaputtgehen kann“.

„Missing link_“ heißt diese Installation Kuballs. Denn: Da fehlt etwas in unserer Innenstadt. Die Synagoge ist zerstört, die jüdischen Mitbürger sind weg, ihre Nachfahren leben nicht mehr hier. die Zivilgesellschaft hat eine Lücke. Kuball ließ den Gedenkstein reinigen, über dem die Projektion zu sehen ist. Und er projiziert einen Lichtstreifen auf die Straße. Vergleichbar mit einem Zebrastreifen möchte er den Verkehr verlangsamen, vielleicht sogar eine Art Gedenksekunde im Vorbeifahren erreichen.

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf ist heute mit rund 7000 Mitgliedern die drittgrößte in Deutschland. Unerwartete Aktualität bekommt das ein Jahr lang geplante Projekt durch den Überfall der Hamas auf Israel und den darauf folgenden Angriffen auf Juden und jüdische Gemeinden in Deutschland.

Die Installation ist bis März 2024 zu sehen.

https://rp-online.de/kultur/missing-link-mischa-kuball-erinnert-an-synagoge-duesseldorf_aid-101093661

Das erste Mal bewusst auf die Kunst Mischa Kuballs aufmerksam geworden bin ich bei einem Besuch der ständigen Ausstellung des Folkwang Museums Essen. „five planets“, Fünf Planeten aus dem Jahr 2015 nahmen mich komplett in ihren Bann. Beeindruckend ist das Werk deshalb, weil man als Besucher in diesem Sternen- und Lichtermeer umherspazieren kann. Und irgendwann entzifferte man Worte in der ständigen Bewegung des Lichts: Speed, Speach ….

Ein ähnliches Werk habe ich in diesem Sommer im Lichtkunstmuseum Unna in der Ausstellung „Hyper Sculptures“ gesehen:

auch in der Nacht der Museen im April 2023 fiel mir eine Arbeit Kuballs im wahrsten Sinne des Wortes vor die Füße. Eine Projektion aufs Straßenpflaster vorm Haus der Universität am Schadowplatz:

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