Der Hof ist wieder da

Laut, schwarz – und ein kleines bisschen bunt – „Der HOF“ ist wieder geöffnet.

Der Hof? So wie „The artist formerly known as Prince“ kann man sagen: „Der Hof = a concert venue formerly know as the Ratinger Hof“ – also der ehemaligen „Ratinger Hof“. Und natürlich ist Der Hof nicht zu verwechseln mit „The Hoff“, denn David Hasselhoff steht für ganz anders geartete Musik. Obwohl: Freiheit ist tiefere Wunsch, der beide verbindet.

Das Geld für ein „ordentliches Schild“ oder eine große „Weihnachtsbeleuchtung über der Eingangstür“ spart sich Geschäftsführerin Stanislava Balueva. Die bulgarische Österreicherin war zuvor schon als Geschäftsführerin des Kulturbanausen e.V. die Herrin über den Ratinger Hof. Dieser musste allerdings vor rund fünf Monaten Insolvenz anmelden. Seit Sommer ist er nun wieder geöffnet – allerdings unter dem Namen „Der Hof“. „Früher konnte man die Gruppenzugehörigkeit der Besucher daran erkennen, wie sie ihn nannten: „Hof“ sagten die Punks, „Ratinger“ die eher den Mods und der Creamcheese-Fraktion Zugehörigen.

„Es gibt in Düsseldorf kaum noch Live-Musik – und wenn der Hof auch noch endgültig schließt, dann ist das ein schlechtes Zeichen für den Musikstandort Düsseldorf“, erklärt „Stani“. Probenräume seien in Düsseldorf für junge Bands und vor allem für Underground-Musik schlichtweg zu teuer, weshalb beispielsweise Wuppertal derzeit eine Renaissance erlebe.

250 Menschen passen in den doch eher klein erscheinenden schwarzen Schlauch, an dessen hinterem Ende die Bühne ist.

Heute ist es nicht mehr das gleiche Gebäude, in dem einst die Musikgrößen spielten. Der alten Ratinger Hof musste wegen maroder Bausubstanz abgerissen werden. Aber der „Geist der Musikgeschichte“ weht noch immer um diese Adresse.

An dieser Adresse wurde und wird viiiiiel Musik gemacht. Vor allem laute Musik: Punk, Metal, DUB, die Besucher sind das genaue Gegenteil des Düsseldorfer Schick, eher alternativ und underground.
– Hier entdeckte Campino, der Frontman der Düsseldorfer Punkband Die Toten Hosen, seine Liebe zur Musik und spielte mit der Vorgängerband ZK (Song Dosenbier (Youtube, 2:39 min)). – Hier spielten die Broilers (Song Ich sah kein Licht (Youtube 2:46 min)).
– Hier erlebte das Publikum – die erste elektronische Musik (Stichwort: Kraftwerk – ebenfalls eine Düsseldorfer Band) und mischte Punk und Elektro, so wie Östro 430 (Song Dallas (Youtube 2:14 min)).
– Hier wurde mit der Neuen Deutschen Welle experimentiert (z.B. Bands wie Fehlfarben (Song Es geht voran (Youtube 2:53 min) und die Deutsch-Amerikanische Freundschaft DAF (Song Der Mussolini (Youtube, 3:52 min)) und Propaganda (Song Dr. Mabuse (Youtube, 5:16 min)). Auch Neu! und La Düsseldorf hatten hier ihre musikalische Heimat.

An den Wänden hängen Fotos aus dem Lebem im „alten Ratinger Hof“ und Kunstwerke von Peter Hartinger. Per QR-Code lässt sich mehr über die Bilder erfahren.

Explizit lädt Geschäftsführerin Stanislava jeden ein: „Underground-Kultur bedeutete schon immer, ein Ort der Begegnung zu sein und jeden willkommen zu heißen.“ Demnächst steht sogar eine Oper auf dem Bühenprogramm.

Der Hof hat übrigens nicht nur für abendliche oder nächtliche Konzerte geöffnet. Inzwischen kann man auch nachmittags einfach nur auf einen Kaffee reinschneien. „Wir haben eine Siebträgermaschine, und statt Keks gibt es Manner-Schnitten aus meiner österreichischen Heimat“, wirbt Stani. Einfach an der Tür probieren, ob sie aufgeht. Wenn ja, dann ist der Hof geöffnet – und dann geh hinein. Es ist zwar heute nicht mehr der originale historische Ort, aber „Der Hof“ hat immer noch eine besondere Atmosphäre.

„Der Hof“ – ehemals „Ratinger Hof
Ratinger Straße 10
Düsseldorf-Altstadt

PS: Meine Forderung nach einem Denkmal für Kraftwerk ist hier nachzulesen. Über das Creamcheese werde ich irgendwann demnächst einen Blog-Beitrag verfassen.

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