Caspar David Friedrich oder Der Clash der Malerschulen

Zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie war ich kürzlich wieder im Museum KunstPalast – und finde die aktuelle Ausstellung zu Caspar David Friedrich wirklich gelungen. Der KunstPalast stellt den Frühromantiker mit seinen stillen und poetischen Landschaftsbildern in einer wirklich interessanten Weise der Düsseldorfer Landschaftsmalerei gegenüber. Hoffen wir, dass wir die Ausstellung bald wieder besuchen dürfen.

Hingelockt hat mich unter anderem der Pressetext, in dem Felix Krämer, der Generaldirektor des Kunstpalasts betont: „Kein anderer Künstler der Romantik hat hierzulande einen ähnlichen Bekanntheitsgrad wie Caspar David Friedrich und wird sowohl vom Publikum als auch von Fachleuten gleichermaßen bewundert. Dabei ist nur wenigen bewusst, dass das Werk des Greifswalder Malers ab Mitte der 1830er-Jahre in Vergessenheit geriet. Entscheidend dafür war der enorme Erfolg der Vertreter der Düsseldorfer Romantiker.“

Die Düsseldorfer Malerschule lief CDF also den Rang ab. Und die Ausstellung geht genau dieser Frage nach: Warum wurde die Dresdener Romantik durch die Düsseldorfer Malerei abgelöst? Und welche gesellschaftlichen Ursachen lagen diesem Wandel zugrunde?

Auch ohne Audioguide oder Führung kann der Besucher anhand der Infotafeln in der Ausstellung gut nachvollziehen, weshalb das der Fall war: Auf der einen Seite waren die Düsseldorfer Bilder aktiver, nicht so fotografisch anmutend, dabei aber statisch. Im Dresdner Atelier steht der Maler alleine vor der Staffelei, während in der Düsseldorfer Szene die Kinder des Künstlers um ihn herumtollen. Die Rheinische Kunst strahlt nicht nur die tiefere „Message“ aus, sondern das wahre Leben. Auf der anderen Seite schufen beide – die Dresdner ebenso wie die Düsseldorfer Schule – komponierte Bilder und keine Abbilder der Wirklichkeit. Beide arbeiteten mit Symbolik – wobei mir die Düsseldorfer Symbolik eingängiger erschien. Das Verhältnis zwischen D und DD war von Kritik und Polemik geprägt – aber auch von gegenseitiger Anerkennung bis hin zu Inspiration.

Die Düsseldorfer fuhren in die Eifel, die Dresdner an Ostsee – kaum ein Motiv ist bekannter als Friedrichs Szenen am Kreidefelsen in Rügen – sowie ins Riesengebirge. Atelierszenen und Landschaftsthemen dokumentieren den Wandel des Geschmacks der damaligen Zeit. Neben der jeweiligen Heimat, den See­stücken und nächtlichem Mondenschein greifen viele Bilder das Freilichtstudium in der Natur als Arbeitsweise auf. Von der stillen Andacht und Kontemplation Friedrichs – bei ihm ist der Mensch nur Besucher in der großen Natur, während bei den Düsseldorfern der Mensch mit seinem Besuch, beispielsweise Wanderer machen Pause, das Thema ist. Am Rhein gehen die dargestellten Szenen sogar bis hin zu gesellschaftskritischer Genremalerei. Es öffnet die Augen, diese Gegensatzpaare nebeneinander oder im gleichen Raum hängen zu sehen. Endlich habe ich durch diese gut konzipierte Ausstellung diesen Schritt in der Kunst verstanden – oder glaube das zumindest 😉

Hier eine Beschreibung von der Webseite des MKP:
„Zwischen dem Rheinland und Sachsen herrschte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein lebendiger und vielschichtiger Kulturtransfer. Ab 1826 stellte Friedrich zeitgleich mit dem Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie, Wilhelm Schadow (1788–1862), und der frühen Generation der Düsseldorfer Malerschule in verschiedenen landesweiten Akademieausstellungen aus. Laut Friedrich sollte die Naturanschauung eine Ergründung des inneren Selbst ermöglichen; Landschaftsgemälde sollten Natur nicht nur abbilden, sondern Empfindungen wecken, wofür die Rückenfigur bildhaft steht. Seit den späten 1820er-Jahren bezogen sich Künstlerkollegen in Düsseldorf und Sachsen auf seine Werke. Allerdings entwickelten die Düsseldorfer in wesentlich großformatigeren Werken zunehmend mehr Dramatik und Pathos, sie erzählten Geschichten und überzeugten mit technischer Raffinesse. Stetig gewann diese Malerei an Einfluss, vor allem auf die Kunstentwicklung an der Elbe, sodass schließlich führende Düsseldorfer Maler als Professoren an die Dresdener Akademie berufen wurden.“

Die rund 120 Werke umfassende Ausstellung veranschaulicht diesen Geschmackswandel von der Frühromantik zu den Anfängen des Realismus. Erstmals tritt die sächsische Landschaftsmalerei in einen Dialog mit den Arbeiten der Düsseldorfer Malerschule. Etwa 30 Gemälde und 20 Zeichnungen Friedrichs sowie Bilder seiner Dresdener Kollegen Carl Gustav Carus (1789–1869), Ludwig Richter (1803–1884) und Ernst Ferdinand Oehme (1797–1855) werden der Malerei der Düsseldorfer Andreas (1815–1910) und Oswald Achenbach (1827–1905), Carl Friedrich Lessing (1808–1880), Johann Wilhelm Schirmer (1807–1863) und anderen gegenübergestellt. Weil ein Freund in der Scheurenstraßen wohnt, habe ich mir die Bilder von Caspar Scheuren mit großem Interesse angeschaut.

Ich stelle hier interessante Bildpaare nebeneinander:

In Düsseldorf ist diese Ausstellung bis zum 7. Februar 2021 zu sehen. Dann zieht sie nach Leipzig um, wo sie im Museums der bildenden Künste vom 3. März bis 6. Juni 2021 gezeigt wird.

https://www.kunstpalast.de/cdf

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