Das K20 zeigt Minimal Art-Künstlerin Anne Truitt

Ein Raum im K20 ist voller gerahmter weißer Leinwände. Dazu fiel mir als erstes der alte Otto Waalkes-Witz ein: weißer Adler auf weißem Grund. Nur dass es bei den Werken der Minimal Art-Pionierin Anne Truitt nicht um Adler handelt, sondern um Striche, Quadrate oder sonstige geometrische Formen, die man nur bei sehr genauem Hinsehen auf den weißen Bildern entdeckt.

Minimal Art ist tatsächlich eine Kunstrichtung, mit der sich auf den ersten Blick meist wenig anfangen lässt. Sie zeichnet sich durch das Verwenden einfacher Formen, lebendiger Farben und das Streben nach Klarheit und Essenz aus. Truitt selbst wies die Zuordnung zur Minimal Art zurück: „Für mich ist meine Kunst maximal“.

Immer wieder hört man beim Anblick von Kunstwerken von Donald Judd, Blinky Palermo und Carmen Herrera – den bekanntesten Vertretern der Minimal Art – Aussagen wie: „Das kann ich auch“. Bei näherem Hinsehen ist das jedoch wohl eher nicht der Fall.

Die 2004 verstorbene US-amerikanische Künstlerin und Schriftstellerin Anne Truitt war eine Künstlerin, die ihr Künstler-Dasein als Privileg verstand. Sie versuchte, alles zu vereinfachen. Sie war die erste, die das Wandbild als freistehende Skulptur im Raum platzierte. „Was ich eigentlich versuchte, war, Bilder von der Wand zu nehmen,“ sagte sie einst rückblickend. Denn von der Wand nahm auch Jackson Pollok die Leinwände. Er legte sie allerdings auf den Boden und ließ Farbe vom Pinsel heruntertropfen. „Jack the Dripper“ wurde er deshalb auch genannt. Ein exemplarisches Beispiel seines Tropf-Oeuvres hängt eine Etage drüber in der ständigen Sammlung des K20.

Truitt hatte das Ziel, „Farbe um ihrer selbst willen in drei Dimensionen zu entgrenzen“, wie sie selbst sagte. Angeblich sind besonders die tiefdunklen Farbnuancen eindrücklich. Sie verleihen „ihren Werken aus Holz Sinnlichkeit und Bedeutung“, heißt es im Pressetext. Ich muss zugeben: Bedeutung habe ich nicht gefunden. Wohl aber sehr schöne Stelen, perfekt mit Acrlylack bemalt. Typisch deutscher Gedanke: „Wie oft man das wohl abstauben muss?“

Ich bin wohl doch ein Kunstbanause, denn den Unterschied von tage- und wochenlanger Handarbeit und einem industriell gefertigten Möbelstück à la Lack aus Vietnam konnte ich kaum erkennen. Und Truitt hat lange an jeder Skulptur gearbeitet. Sie ließ diese „nach maßstabsgetreuen Konstruktionszeichnungen von einem Produzenten aus zwei Zentimeter feinen Mahagoni-Bootsbausperrholz fertigen und bearbeitete die Oberflächen der Werke in einem langwierigen, körperlich intensiven Produktionsprozess. Zuerst trug sie mehrere Schichten weißer Grundierung und anschließend vierzig Schichten Acrylfarbe von Hand auf. Jede Schicht schliff sie mit Sandpapier ab, bis eine vollkommen glatte Oberfläche“ entstand. Farbe und Trägermaterial sollten eine Einheit ergeben, sollten sich „vermählen“, so Truitt.

Wenn ich solche Sätze lese, dann fühle ich mich wieder wie in der Schule, wo ich Kunst doof fand, weil diese Theorien über mein Verständnis ging. Ich bewundere die Geduld und die Handarbeit, aber diese Art Minimalismus sagt mir nicht viel. Vielleicht habe ich mir einfach zu wenig Zeit genommen. Denn vor vielen Jahren stand ich in einer Ausstellung von Yves Klein-Werken und fand sie auch nichtssagend … bis sie nach einer Viertelstunde plötzlich begannen, mit mir zu sprechen. Seither bin ich ein absoluter Fan, insbesondere des IKB, der tiefblauen Farbe International Klein Blue, die er entwickelt hat. Zu sehen übrigens im Foyer des Musiktheaters an der Ruhr in Gelsenkirchen. Ein absoluter Grund, mal nach GE zu fahren.

Auf der Webseite heißt es: „In der Ausstellung laden Truitts Werke ein, sich mit den emotionalen Aspekten von Farbe, Form und Raum auseinanderzusetzen.“ Als Fazit gebe ich zu: Emotionen haben ihre Stelen und quasi-monochromen Bilder tatsächlich bei mir ausgelöst.

Anne Truitt. Pionierin der Minimal Art
zeigt rund 120 Werken aus mehr als vier Jahrzehnten. Truitt war eine der einflussreichsten Künstler*innen der Minimal Art. Dies ist die erste umfassende Einzelausstellung in Europa.
Die Ausstellung geht bis 2. August 2026.
Mehr Infos unter: https://www.kunstsammlung.de/de/exhibitions/anne-truitt-2026

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