Die Metzgerei von Theodor London

Wenn umgebaut wird, dann tritt manchmal Unerwartetes zutage. So geschehen dieser Tage in Unterbilk: Eine Eisdiele verschwand über den Winter, und das Nachfolgeunternehmen braucht ein neues Firmenschild. Man nimmt das alte ab – und erlebt eine Überraschung. Drunter kommt eine alte Firmenbeschriftung zum Vorschein: „Metzgerei von Theodor London“ steht da … bis der Schriftzug vom nächsten Ladenmieter überdeckt wird.

Ein herzlicher Dank für die schönen Fotos geht an Walter Peters, der sie mir nach der Lektüre meines Blog-Artikels Die schönste Cafeteria Düsseldorfs zukommen ließ.

Denn hier geht es nicht nur um irgendeine ehemalige Fleischerei. Vielmehr sind dies die Spuren der einst schönsten Fleischerei Düsseldorfs. Gäbe es sie noch heute, wäre sie wohl genauso ein Besucher- und vielleicht sogar Touristenmagnet wie die Pfunds Molkerei in Dresden, die sich „schönster Milchladen der Welt“ nennt. Ich finde: „Schönste Metzgerei der Welt“ würde unsere Stadt schmücken. Leider gibt es sie seit rund 50 Jahren nicht mehr…

Der Metzger Theodor London kaufte im Jahr 1900 ein dem modernen Zeitgeist entsprechendes Interieur für seine Metzgerei: Historismus und Jugendstil. Angeblich kostete das Ganze damals 28.000 Goldmark. Seine Metzgerei wurde auf einer Weltausstellung gezeigt und ausgezeichnet. Leider schreiben alle von Wikipedia ab – und dort steht, es handele sich um die Weltausstellung 1906 in Gent. Das Problem daran: In dem Jahr war die Weltausstellung in Mailand, die in Gent erst 1913. Und ich frage mich, ob es in diesen Jahren nicht zu spät war, um etwas aus Historismus mit Jugendstil-Elementen auszustellen, da dieser Stil um die Jahrhundertwende herum neu und cool war. Deshalb erscheinen mir sowohl 1906 als auch 1913 als spät. Ich könnte mir eher vorstellen, dass sie schon im Jahr 1900 auf der Weltausstellung in Paris gezeigt wurde… Wann und wo das wunderschöne Metzgerei-Interieur also tatsächlich ausgestellt und mit einem Preis ausgezeichnet wurde, ist unbekannt, würde ich sagen… Wenn Sie Genaueres wissen: Ich würde mich über eine Info freuen!

Fest steht jedenfalls, dass der komplette Laden in Unterbilk in die Lorettostraße einzog. Theodor London gab die Metzgerei in der Familie weiter, der letzte Inhaber trug den Vornamen Peter. 1975 schloss die Metzgerei für immer, die Innenausstattung wurde von der Stadt Düsseldorf erworben und im Folgejahr in das Hinterhaus des Palais Wittgenstein in der Carlstadt eingebaut. Seitdem wird sie dort als Cafeteria fürs Marionettentheater und das Palais Wittgenstein genutzt.

Sicher ist außerdem, dass die jeweiligen Chefs ihren Betrieb stets auf der Höhe der Zeit führten. Bis zur Schließung gab es beispielsweise einen Frikadellenautomaten vor der Tür. Ein Nachbar erinnerte sich an eine Anekdote: Nach einer feuchtfröhlichen Nacht wurden dort Frikadellen gezogen und vor Ort verzehrt. „Aber geschmeckt haben die nicht wirklich“, wie er kolportiert.

Lorettostraße 30 (blaues Haus)
Düsseldorf-Unterbilk

Durch Unterbilk führe ich aktuell nicht. Aber andere Düsseldorfer Stadtviertel wie Kaiserswerth oder Oberkassel habe ich mir bereits in der für Stadtführungen erforderlichen Tiefe des Wissens angeeignet. Kontaktieren Sie mich bei Interesse an einer Tour!

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