„Wat bin ich eine schöne Leich!“

Kaum jemand hebt seinen Blick auf dieses Relief empor. Es hängt in der Altstadt in der Bolker Straße – Ecke Schneider Wibbel-Gasse. Und genau der ist darauf dargestellt – oder besser gesagt seine Beerdigung.

Über den Schneider Wibbel, seine teils blank polierte Skulptur und seine Lebensgeschichte habe ich bereits geschrieben. Nun geht es eher um das, was mit seinem „Tod“ geschah. Tod in Anführungszeichen, denn – wie auf diesem Relief gut zu sehen – war er garnicht tot, sondern schaut auf der linken Seite gemeinsam mit seiner Frau durch die Gardinen auf das, was auf der Straße vor sich ging. Und das fand er wunderbar: Alle Welt dachte, er sei verstorben – und so konnte er nicht wie der Lauscher an der Wand seine eigene Schand hören, sondern erleben, wie er geehrt und im Tode gefeiert wurde: Der Leichnahm, von dem jeder annahm, es sei seiner, wurde mit einem geschmückten Leichenwagen durch die Stadt gezogen. Schön muss das ausgesehen haben:

„Wat bin ich eine schöne Leich“ steht unter der Szene geschrieben.

„Wat bin ich eine schöne Leich“ soll der Wibbel bei dem Anblick ausgerufen haben.
Zumindest ist das der Satz, den Hans Müller-Schlösser dem Protagonisten seines Heimatschwanks in den Mund gelegt hat.

Hans Müller-Schlösser in der Mitte, Paul Henkels rechts

Und nun kommen wir zu den drei Köpfen unter dem Relief: In der Mitte Hans Müller-Schlösser, der Autor des Heimatschwanks über den Schneider Wibbel. Das Stück wurde 1913 am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt und mehrfach verfilmt.

Rechts ist der Kopf von Paul Henckels zu sehen. Wie??? Der Name sagt Ihnen nichts? Aber den Film „Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann, den kennen Sie schon, oder? Genau den, wo der Professor sagte „Wat is en Dampfmaschin? Da stelle mer uns ma janz dumm…“ … und dieser Professor wird gespielt von … genau! Paul Henckels. Na also – den kenne mer doch 🙂

Die linke Büste zeigt Henckels Ehefrau, die Schauspielerin Thea Grodtczinsky, die Wibbels Frau Fin verkörperte. Geschaffen wurden Relief und Portraits übrigens von zwei unterschiedlichen Künstlern: Das Relief stammt von Rudolf Zieseniss, die Büsten hingegen vom Bildhauer Rudolf Christian Baisch.

Wer Lust hat, mit mir noch mehr unbekannte Geschichten der Düsseldorfer Altstadt zu erkunden, der darf mich gerne buchen 🙂

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