Liesegang-Denkmal: Ja wem gedenken sie hier?

Während meiner Schulzeit legten Lehrer noch Folien auf einen Overheadprojektor. Auf dem stand „Liesegang“ – und ich habe mir als Schülerin nie darüber Gedanken gemacht, was das bedeutet. Unser Nachbar hatte einen Liesegang-Diaprojektor. Dann ging ich die Schadowstraße entlang und entdeckte, dass von ihr eine kleine Straße abgeht – die Liesegangstraße. Und dort – an einer echten Schmuddelecke hinter dem Karstadt – ist ein sehr interessantes Denkmal:

Viel mehr Ahnung als dass Liesegang-Produkte im Wesentlichen Projektoren waren, hatte ich also nicht. Wikipedia hilft mal wieder weiter: https://de.wikipedia.org/wiki/Liesegang_(Unternehmen): Papa F. W. Eduard Liesegang kaufte ein Fotogeschäft und gründete das Unternehmen. Der Sohn Paul veröffentlichte ein Standardwerk zur Fotografie und meldete 1877 das erste Patent an. Und dann übernahmen drei Brüder das Ruder. Der zumindest in wissenschaftlichen Kreisen berühmteste davon war Raphael Eduard Liesegang (https://de.wikipedia.org/wiki/Raphael_Liesegang). Er schwänzte zwar die Vorlesungen seines Chemie-Studiums, verfasste aber statt dessen wissenschaftliche Artikel über Lichtempfindliche organische Silbersalze im Photographischen Archiv (1888) und Beiträge zum Problem des electrischen Fernsehens (1891). Er entdeckte periodische Fällungserscheinungen in Gelen – die später nach ihm „Liesegangsche Ringe“ genannt wurden. Wer sich für Geologie interessiert, kann sie ab und zu in Sandsteinen entdecken.

EINSCHUB und UPDATE zu Raphael Eduard Liesegang – mit herzlichem Dank an Klaus Beneke vom Institut für Anorganische Chemie der Christian-Albrechts-Universität Kiel, der mir zu meinem Blog-Beitrag eine E-Mail mit interessante Infos schrieb:

„Raphael Eduard Liesegang schied 1908 endgültig aus der Firma Liesegang aus und die Fotopapierproduktion und die Entwickler wurden von der Bayer A. G., später Agfa übernommen, die Firma Liesegang baute Kinematographen und Projektoren. Raphael Eduard Liesegang war in 1. Ehe ab 1895 mit Luise Stern (1870-1936) , der Schwester des Düsseldorfers Malers Max Stern (1872-1943) verheiratet. Sie hatten eine Tochter, die Dichterin Mara Liesegang (1896 – 1948). Max Stern hatte als Jude im Dritten Reich Malverbot. Er verstarb am 12.06.1943 bei einem Bombenangriff in Düsseldorf in einem Keller. Ihm war als Juden die Zuflucht in einem Luftschutzbunker untersagt. 
Raphael Eduard Liesegang sprach sieben Sprachen, darunter Malaiisch, schrieb ca. 800 Publikationen und Bücher und 14 Dramen unter fünf verschiedenen Pseudonymen. Er war ein außergewöhnlicher Mensch und Wissenschaftler.“

Auf dieser Internetseite finden Sie eine Biographie und  mehr über Raphael Eduard Liesegang und Familie:
https://www.uni-kiel.de/anorg/lagaly/group/klausSchiver/Liesegang%20named%20literature-2.pdf
https://www.uni-kiel.de/anorg/lagaly/group/klausSchiver/Liese_buch.pdf

EINSCHUB ENDE :)

Die alte Liesegang Fabrik in Unterbilk (Volmerswerther Straße 21), in der einst Diaprojektoren hergestellt wurden, hat sich inzwischen zu einem Zentrum für Künstler und Designer gewandelt.

Auf den bordsteinartigen Randsteinen des Denkmals am Liesegangplatz lässt sich lesen:
Wilh. Ed. – Paul Ed. – F. Paul Liesegang, dazu die Jahreszahl 1856 und „Pioniere der deutschen Foto- und Filmtechnik“. Offensichtlich sind hier nur Papa, Sohn und ein Enkel erwähnt – der berühmte Wissenschaftler hatte wohl mit dem Firmenalltag nicht so viel zu tun.

Den Gebrüdern Liesegang gewidmet – Pioniere der deutschen Foto- und Filmtechnik.

War es hingegen Ignoranz oder Witz, dass in der Mitte des Platzes der sogenannte „Liesegangstein“ platziert wurde? Es ist das 1989 aufgestelltes Säulenfragment des abgebrochenen Neuen Rathauses mit den Frauenköpfen, das laut offizieller Webseite der Stadt Düsseldorf an den Landschaftsmaler Helmuth Liesegang erinnern soll. Er war ein Maler der Düsseldorfer Malerschule, der vor allem Landschaften des Niederrheins malte. Dieser Maler-Name ist es oben drauf zu lesen.

Soweit ich weiß, ist die Namensgleichheit zufällig und die Herren waren weder verwandt noch verschwägert. Vielleicht haben die Verantwortlichen das nicht gewusst? Oder einfach gedacht, dass es eh niemandem auffällt angesichts des identischen Nachnamens? Oder dass es auf einen Liesegang mehr oder weniger nicht ankommt – Hauptsache der Name stimmt und irgendwie ist allen gedacht? Ich find’s witzig :) Oder sollte ich mich doch eher – wissenschaftlich genau – fragen: Ja, wem gedenkt dieses Denkmal denn nun? Offensichtlich: Eines für alle!

Haben Sie nun Interesse bekommen, mit mir die unbekannte Seite Düsseldorfs zu entdecken? Dann melden Sie sich gerne!

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