Der Gießerjunge rettet das Kurfürsten-Standbild

Er ist der größte Junge der Stadt: Rund 2,50 Meter ist er groß, der Gießerjunge. Er steht an der Ecke vom Marktplatz, erhöht auf einem Mäuerchen. Die Ecke seines Lendenschurzes hält er in der einen Hand, in der anderen einen Klumpen Metall oder Erz. Denn der Gießerjunge war der Lehrling des Gießers, der beim Guss des großen Reiterstandsbilds von Jan Wellem assistierte:


Der Gießerjunge war Azubi bei Gabriel Grupello, dem flämischen Bildhauer, den der große Kurfürst Jan Wellem einst nach Düsseldorf holte und mit dem Auftrag betraute, sein großes Denkmal zu fertigen. Angeblich ging der erste Guss schief, das Standbild zerbrach. So wurde die Arbeit ein zweites Mal angegangen. Und als diesmal die Gefahr bestand, dass das Material nicht ausreichte, soll der Gießerjunge – ohne vorher seinen Meister zu fragen – zu den Bürgern der Stadt gelaufen und um Silber gebettelt haben. Die gaben ihm Besteck, Kerzenleuchter und mehr – er warf es in die Schmelze … und das Reiterstandbild gelang im zweiten Anlauf!

Der Gießerjung hat also das Denkmal gerettet. Deshalb war er dem Heimatverein Düsseldorfer Jonges den Auftrag für ein eigenes Denkmal wert – und 1932 wurde es aufgestellt. Die heutige Bronzefigur stammt von Willi Hoselmann ersetzte eine ältere Figur, die einst auf dem Dach des Grupello-Hauses in der Zollstraße stand. In einer Bombennacht des Jahres 1943 stürzte der 110 Kilogramm schwere Gießerjunge vom Dach herab und fand zusammen mit dem Reiterstandbild Schutz in einem Gerresheimer Bergstollen. Diese Geschichte lässt sich hier nachlesen: https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/der-giesserjunge-steht-wieder-am-marktplatz_aid-17367213

Vom gleichen Künstler wie der Gießerjunge stammen übrigens auch der Fischerjungen-Brunnen und die Plakette mit Heine-Porträt am Heine-Haus in der Bolkerstraße.

Man sieht nur, was man weiß. Wer diese Binsenweisheit mit Leben füllen will, der öffne bei Spaziergängen mit mir seine Augen 🙂 …und kontaktiere mich für einen solchen.

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