Spogomi – Müllsammeln als Teamsport

Die japanische Community in Düsseldorf ist immer wieder für eine Überraschung gut. Jedes Wochenende kann man Japaner in der Stadtmitte sehen, im Bahnhofsviertel rund um die Immermannstraße. Sie tragen blaue Westen, sind oft als Team unterwegs, haben Tüten in der einen Hand und einen Müllgreifer in der anderen.

Die Menschen betreiben Spogomi – ein Kofferwort, das sich aus „Spo“ für Sport und „Gomi“ zusammensetzt. Das ist das japanische Wort für Müll. Hier wird Abfall von den Straßen gesammelt und das ganze als Sport deklariert. Ich jedenfalls hätte niemals gedacht, dass Stadtreinigung eine Mannschafts-Sportart ist…

…inklusive Meisterschaften. Die Weltmeisterschaft findet alle zwei Jahre statt – das nächste Mal also 2027.

Gerade die Stadtmitte hat diese Säuberungsaktionen dringend nötig. Wollen wir mal nichts schönreden: Wo sich früher Alkoholabhängige trafen, saßen, ihr Bier oder Schnaps tranken und den ganzen Tag lang mehr oder weniger intensiv palaverten, ist seit vielen Jahren die offene Drogenszene zu Hause. Heroin stand lange Zeit im Fokus, Methadonprogramme milderten den Beschaffungsdruck und damit waren die Kriminalitätsraten erträglich. Inzwischen hat sich Crack breitgemacht, und damit ein echtes Problem. Die Süchtigen bauen sehr schnell ab, brauchen pro Tag rund 250 bis 300 Euro und so klauen sie, was sie in die Finger kriegen können.

Kürzlich kam in einem Gerichtsprozess zutage, dass Kioskbetreiber die Süchtigen ausnutzen und ihren in Supermärkten geklauten Schnaps und Kaffee nicht nur abkaufen, sondern diese regelrecht beauftragen. Achtung also: Wenn ein Kiosk in der Stadtmitte günstigen Kaffee anbietet, ist häufig gestohlener Kaffee drin.

Aber ich schweife vom Thema ab: Die schiere Anzahl an Obdachlosen hat seit der Coronapandemie spürbar zugenommen. Die Menschen leben auf der Straße – und haben keine Toiletten. Aufgrund ihrer Sucht schaffen sie es nicht, ihren Müll bis zum nächsten Mülleimer zu bringen. Und diese sind aufgrund der zunehmenden Menge an Einwegverpackungen, Kaffee-to-go etc, schlicht überfüllt. So ist die Stadtmitte zwischen der noblen Königsallee und den Bahnhof häufig vermüllt und schmuddelig.

Ich bin deshalb den Spogomi-Teams enorm dankbar, dass sie unsere ansonsten doch wirklich schöne Stadt sauberer machen. DAAAANKEEE!

Die Stadtreinigung kann das einfach nicht alleine. So wie auch ich mir inzwischen einen Müllgreifer zugelegt habe und auch schon mit einer Nachbarin und Mülltüten um die Häuser gezogen bin, sollte es jeder ab und zu mal machen!

Japan hat den Ruf, zu den saubersten Ländern der Welt zu zählen. Und wer an den Wochenenden diesen Spogomi-Teams zuschaut, der weiß, woher dieser Ruf kommt.

Webseite von Spogomi Deutschland:
https://spogomigermany.jimdofree.com

Dieser Beitrag wurde unter Stadtführungen, Stadtviertel, Tipps und Infos abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.