Musikbrunnen im Innenhof des Wilhelm-Marx-Hauses

Hoch oben steht der goldene Dirigent. Um ihn herum eine Orchesterwelt aus rotem Marmor: Ein Sänger wird nicht nur auf dem Klavier begleitet, sondern gleich ein ganzes Orchester wird hier, teils symbolisch, dargestellt. Dieser außergewöhnliche Brunnen, der Marvin Leon Brunnen, ist im Stadtbrückchen zu finden – im Innenhof des Wilhelm-Marx-Hauses.

Erschaffen hat ihn Michael Schwarze. Der Künstler wurde 1939 in Krefeld geboren, machte von 1957 bis 59 ein Architekturstudium an der Werkkunstschule Krefeld und war von 1959 bis 64 Meisterschüler bei Prof. Karl Hartung an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Danach war er freier Bildhauer an der Spree, von 1964 bis 69. Später zog es ihn nach Nümbrecht im Oberbergischen Kreis und seit 1989 lebt und arbeitet er in Bahlingen am Kaiserstuhl.

Michael Schwarze macht es dem Betrachter nicht leicht, Zugang zu seiner Figurenwelt zu finden, meint der Kritiker Gerd-Wolfgang Essen aus Hamburg. Habe man sich jedoch einmal vertraut gemacht mit der eigenwilligen Formensprache seiner Skulpturen, so erkennt man eine Familienzusammengehörigkeit. Es ist eine immer wiederkehrende Leitfigur, man könnte auch sagen ein Stammvater, der sich hier fortzeugt.

Warum so kompliziert? Der Brunnen ist aus schönem rötlichen Stein, mit Figuren, die Spaß machen. Ganz zuoberst steht der goldene Dirigent, der das Wilhelm-Marx-Haus grüßt, die Rückseite des ersten Bürohochhauses Deutschlands. Dann überrascht seitlich eine Wasser speiende Skulptur, die ich hier einfach mal den Bläser nenne. Er bläst in eine Art Flöte. Dann gibt es einen dunklen Mann, in den geheimnisvolle Zeichen eingraviert sind; drei ebenso dunkle Gestalten mit Saxophon. Und mehr Mystisches, zum Beispiel eine runde Bronzetafel mit einem Hirsch, nebst Vogel, Elefant und Libelle.

Ein fliegender Engel als Trompeter? Flötist? Posaunenspieler?
Der Schlagzeuger
denn eigentlich steht der goldene Dirigent ganz oben.
Aus Wasser entstand eine Harfe – oder eine Orgel – und drei Saxophone

Der Musikbrunnen wurde im Jahr 1986 von der KKB Bank gesonsert. Die KKB ging vor vielen Jahren in der Citibank auf, die ihre deutsche Tochter dann vor etlichen Jahren an die französische Credit Mutuel verkauft hat, die diese auf Ratenkredite spezialisierte Bank dann in Targobank umbenannte. Deren Zentrale ist schräg gegenüber.

Was allerdings die kleine Plakette „Marvin Leon Brunnen“ bedeutet – und wer Marvin Leon war, das hab ich bis heute nicht herausgefunden… Angeblich ist diese Tafel ein Scherz – Street Art at its best sozusagen: anerkannte Kunst wird unterwandert, inhaltlich umgedeutet, vereinnahmt, subversiv… mein kleines rebellisches Seelchen findet’s gut 🙂

Von Schulzes Prof Hartung gibt’s in Düsseldorf auch mehrere Werke zu sehen, die ich später noch vorstellen werde…

Haben Sie nun Lust bekommen, mit mir die kleinen Geschichtchen hinter den offensichtlichen Denkmälern kennenzulernen? Dann melden Sie sich bitte!

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