L.E.T. sprayt und pasted in Bilk

Wer für Street-Art nichts übrig hat, der ist davon überzeugt, diese „Sprayereien“ werden von „schrecklichen Kindern“ (respektive Jugendlichen) gemacht. Mit dieser Ansicht spielt der Düsseldorfer Künstler L.E.T., denn sein Künstlername ist die Abkürzung für „Les Enfants Terribles“, was übersetzt „die schrecklichen Kinder“ heißt. L.E.T. ist ungefähr so lange auf Mauern und Wänden aktiv wie der inzwischen legendäre Banksy: Er prägt Düsseldorfs Straßenbild seit 1992 und zählt damit zu den europäischen Street-Art-Künstlern der ersten Stunde.

Derzeit werden seine Werke in der Galerie „Töchter & Söhne“ in der Reisholzer Werftstraße 73 gezeigt.

L.E.T. ist französischer Abstammung und lebt im Düsseldorfer Stadtteil Bilk. Seine Spezialität sind Stencils. Er sprüht seine Motive im Atelier auf Papier und plakatiert sie dann als „Cutout“ ins Straßenbild. Ganz in der Tradition von Street-Art greift er sozialkritische Themen auf und kritisiert die Missstände unserer Konsum- und Spaßgesellschaft. Dabei ist er witzig, charmant, provokant, lässt sich von bekannten Kunstwerken inspirieren, weist seinen Werken jedoch durch seine Mischung von Bild und Text eine eindeutige Aussage zu. Oft finden sich Ratten als Motive, die stellvertretend dafür sind, wem denn die Stadt und ihre Mauern und Fassaden gehören. Denn Street-Art ist ursprünglich die Kunst der Underdogs, der Ungesehenen und Übersehenen. Aber L.E.T. porträtiert auch schöne junge Frauen, vielleicht inspiriert von der Mona Lisa?

L.E.T. ist auch heute noch aktiv auf der Straße und prägt das Bild seiner Heimatstadt.

Auf L.E.T. bin ich erstmals während einer Führung von Klaus Rosskothen gestoßen, der den Urban Art Walk anbietet. Damals gab es in der Helmholtzstraße noch eine Mauer – inzwischen ist sie abgerissen und es steht ein Neubau da.

Unweit von Rosskothens Galerie „Pretty Portal“ sind zwei großartige Murals von L.E.T. Das eine heißt „Sweet Deam o’Mine“ und das andere trägt den Titel „FOR THE BRAVE AND DISPLACED“. Beide finden sich in der Friedrichstraße am S-Bahnhof Bilk. Im Sommer 2022 wurde die Unterführung unter der der Brücke – direkt gegenüber des Eingangs zur S-Bahn – von Urban-Art-Künstlern gestaltet. Sowohl auf der rechten als auch auf der linken Seite sind Murals von L.E.T.

Kurz nachdem das rechte (südliche) Mural im August 2022 fertiggestellt war, fiel es Vandalismus zum Opfer: Jemand bewarf es mit einem Beutel oranger Farbe. Die Reaktion von L.E.T finde ich grandios: Er konterte, indem er die Farbattacke in sein Bild einarbeitete. 

Webseite mit Öffnungszeiten von Café und Galerie Töchter & Söhne: https://toechter-soehne.de

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