In Unterrath bin ich nicht oft zu finden. Vor einiger Zeit aber war ich dort mit einem Freund geocachen – und so gelangte ich zu einem sehr interessanten Ort. Denn was ich vorher nicht wusste: Hier gab es einst ein Kloster. Was ich besonders spannend finde: Es war ein Kartäuserkloster – und die Kartäusermönche sind dafür bekannt, dass sie in Stille leben. Dabei ist hier direkt nebenan der Flughafen. Das passt für mich nicht zusammen, weshalb ich etwas recherchiert habe. Und siehe da: Es passte wirklich nicht zusammen. Weil die Stadt immer näher ans Kloster heranwuchs und nicht zuletzt wegen des lärmenden Flughafens gaben die Kartäuser dieses Kloster nach fast 100 Jahren auf und zogen aus.
Hier was ich fand:






Gegründet wurde dieses Kloster namens Maria Hain im Jahr 1896, nachdem zu napoleonischen Zeiten alle Klöster aufgelöst worden waren. Säkularisation nennt sich dies, also frei übersetzt „Verweltlichung“. Viel ist über das Leben der Kartäusermönche in Unterrath nicht bekannt, denn sie hielten sich bewusst fern vom restlichen Leben: „Unser Bemühen und unsere Berufung bestehen vornehmlich darin, im Schweigen und in der Einsamkeit Gott zu finden“, heißt es in den Statuten des Ordens.
An dieser Stelle stand einst das Rittergut Hain. Für 150.000 Taler kaufte der Orden das Gut und errichtete seine neue Kartause. Die ersten Mönche kamen aus dem Mutterkloster La Grande Chartreuse aus der Nähe von Grenoble in den französischen Alpen. Mir ist Chartreuse vor allem als leckerer Likör bekannt, gelb oder grün, wobei ich den grünen vorziehe.
Zur Zeit des Nationalsozialismus konnten sich in der Unterrather Kartause Widerstandskämpfer verstecken.
1962 wurde es den Mönchen zu laut. Sie zogen in die neue Kartause Marienau um, ein Teil von Bad Wurzach im Landkreis Ravensburg in Oberschwaben. Nach dem Umzug wurde das Kloster Hain profaniert und anschließend abgerissen. Heute führt die Frachtstraße des Flughafens über das Grundstück.
Erinnerungen an die Kartäuser finden sich auch im Wappen von Unterrath. Das hatte ich mir vorher auch noch nie genauer angeschaut. Sonst wäre mir der lesende Mönch unten rechts vielleicht – aber auch nur vielleicht – schon mal aufgefallen.

Meine Empfehlung: Mach doch mal einen kleinen Spaziergang und schau Dir den Ort des ehemaligen Karthäuserklosters in Unterrath an!
Die Skulptur des Mönchs stammt vom Bildhauer Karl-Heinz Klein.

