Drei Gänse schnattern am Marktplatz

Der Gänsebrunnen befindet sich auf dem Marktplatz in der Düsseldorfer Altstadt an der Einmündung zur Zollstraße. Dort ist er in die Außenwand des Verwaltungsgebäudes Marktplatz 6 eingebaut. Jahrelang war er von Gerüsten und Bauzäunen verdeckt – nun ist er wieder da.

Die grün patinierte Figurengruppe zeigt drei Gänse, die Wasser speien. Auf der linken Seite speit eine Wasserschlange. Die lebensgroßen Gänse wirken lebendig. Diesen Eindruck unterstützen die sich kreuzenden Wasserstrahlen, die aus den Schnäbeln der Tiere ins Becken spritzen. Ich denke immer an die Gänse der Juno, die einst mit ihrem aufgeregten Geschnatter die Römer vor einem Überfall durch die Kelten warnten und so Rom retteten. Es ist wohl kein Zufall, dass dieses Thema hier am Rathaus zu finden ist.

Erschaffen wurde dieser Brunnen vom Kölner Bildhauer Willy Meller im Jahre 1956. Meller gehörte zum Kreis der Architekten und Bildhauer, die während des Nationalsozialismus diesen unterstützen und davon profitierten. Er war – an der Anzahl der Aufträge gemessen – einer der erfolgreichsten Bildhauer der NS-Zeit, neben Josef Thorak und Arno Breker. Über letzteren habe ich in diesem Blog bereits berichtet: Hitlers Lieblingsbildhauer hinterließ Spuren in Düsseldorf.

Der pathetische Stil seiner ausschließlich figürlichen Arbeiten gefielen den Machthabern – und so gestaltete er mehrere Kriegerdenkmäler für die Soldaten des Ersten Weltkriegs, unter anderem in Bochum und Lüdenscheid, die die Soldaten heroisierten und damit perfekt ins kriegstreiberische Gefühl vor dem Zweiten Weltkrieg passten. Für das Berliner Olympiastadium erschuf er die Skulptur der Deutschen Nike, die statt griechischem Lorbeer deutsches Eichenlaub hält. Auch wirkte er an der NS-Ordensburg Vogelsang in der Eifel mit und gestaltete den dortigen Fackelträger. An Hitlers 50. Geburtstag wurde er 1939 zum Professor ernannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt er deshalb von der Stadt Köln keine Aufträge mehr. Die Stadt Düsseldorf sah das lockerer, denn hier waren im Stadtplanungsamt selbst viele Architekten mit Nazi-Vergangenheit – Stichwort ist hier der Düsseldorfer Architektenstreit. Im Jahr 1956 gab es für Meller einen öffentlichen Auftrag: diesen Gänsebrunnen.

Die Gänse blicken auf den Gießerjungen, über den ich in dem Beitrag „Der Gießerjunge rettete das Kurfürstenstandbild“ bereits in diesem Blog berichtet habe.

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