Mal wieder bin ich mit den Augen über einen Stolperstein gestolpert: Franz Monjau wohnte einst in der Leopoldstraße in der Stadtmitte. Er starb am 28. Februar 1945 – in dieser Woche ist sein Todestag 81 Jahre her.


Dem Namen Franz Monjau kannte ich bereits durch Recherchen über den Maler Julo Levin. Auch Monjau war Maler, Mitglied der „Rheinischen Seession„, und beschäftigte sich mit Kunstpädagogik.
Nachdem er Privatunterricht erhalten hatte, besuchte Monjau ab 1922 die Kunstakademie in Düsseldorf. Bereits am 2. Juni 1933 wurde Franz Monjau für eine Woche von der Gestapo festgenommen, weil er linke Flugblätter verteilt hatte. Wegen seiner jüdischen Mutter und seines Kontakts zu Kommunisten erhielt er als „Nichtarier“ ab September 1933 Mal-, Ausstellungs- und Lehrverbot.
1936 bis 1938 war er Zeichenlehrer an der jüdischen Schule in Düsseldorf, wo er zeitgleich mit Julo Levin unterrichtete. 1938 zog er nach Berlin, wo er bis Ende 1941 an verschiedenen jüdischen Schulen unterrichtete. Unter falschem Namen übernahm er Auftragsarbeiten für Werbeplakate. 1939 ließ er sich zum technischen Zeichner umschulen und wurde in dem Beruf zwangsverpflichtet. Bei einem Bombenangriff am 12. Juni 1943 wurden die Werke Franz Monjaus und der größte Teil seines Ateliers in Düsseldorf zerstört.
Wegen „Verweigerung des deutschen Grußes“ wurde Franz Monjau im Oktober 1944 verhaftet – zu einer Zeit, wo die militärische Niederlage Deutschlands bereits spürbar war. Er wurde in das Gestapo-Gefängnis Ratingen eingeliefert. Von dort wurde er Mitte Januar 1945 weiterverlegt in das KZ Buchenwald, danach in das Außenlager Ohrdruf (S III). Dort starb Monjau am 28. Februar 1945.
Franz Monjau hatte eine offensichtlich tolle Frau: Mieke Monjau. Sie war Tänzerin, Bewegungstherapeutin und arbeitete später als Gymnastiklehrerin. Im Umkreis der avantgardistischen Kunstszene lernte sie in den späten 1920er Jahren Franz Monjau auf einem Karnevalsfest kennen. Sie heirateten 1930. Beide waren neben vielen anderen progressiven und linken Künstlern besonders mit dem Maler Julo Levin eng befreundet.
Julo Levin wird für mich wohl immer „der Maler mit dem Ufer“ bleiben: das Julo-Levin-Ufer im Medienhafen ist nach ihm benannt. In meinem Blog-Beitrag Julo Levin malte für die GeSoLei habe ich ihn, seinen Lebenslauf und sein Werk bereits ausführlicher vorgestellt: Als Jude wurde auch er er von den Nazis mit Malverbot belegt und durfte nur als Zeichenlehrer an jüdischen Schulen arbeiten. In der 1935 gegründete Jüdischen Volksschule Düsseldorf an der Kasernenstraße sammelte er rund 1900 Zeichnungen seiner jüdischen Schülerinnen und Schüler. Mieke Monjau versteckte diese Sammlung während der NS-Zeit und erhielt sie damit für die Nachwelt.
Im Unterschied zu den beiden Männern überlebte Mieke Monjau die NS-Zeit.. Sie versteckte auch viele Werke der beiden Künstler vor den Haussuchungen und Zerstörungen durch die Gestapo und rettete sie somit. Nach dem Krieg gründete sie die Stiftung Monjau/Levin, die heute im Stadtmuseum Düsseldorf verwahrt wird. Sie initiierte viele Ausstellungen mit den geretteten Werken und den jüdischen Kinderzeichnungen, gab Zeugnis von dem Erlebten, initiierte Bücher, Filme, Interviews.

Franz Monjaus Stolperstein ist im Bürgersteig vor dem Haus Leopoldstraße 22, Düsseldorf-Stadtmitte zu sehen.

