Der Einfülltrichter verrät die einstige Nutzung

Wer heute durch die schicke Bürowelt rings um das Bassin des Medienhafens spaziert, kann sich kaum vorstellen, dass hier einstmals kräftig und schweißtreibend malocht wurde. So richtig sichtbar wird es auch nur an einem Ort: Wer die Backsteinwand am ehemaligen Getreidesilo hochschaut, erblickt eine aus der Fassade herausragende Schräge. Auf deren Unterseite ist ein Relief eingelassen: Starke Kerle schleppen als Helden der Arbeit schwere Säcke voller Getreide über eine Planke vom Schiff an Land.

Doch wer sich umdreht, der entdeckt die Körnerpumpe. Dieses grün-angestrichene Metall-Konstrukt funktionierte vergleichbar mit einem Staubsauger: Der Saugrüssel wurde durch die Luke in den Laderaum des Frachtschiffs gesteckt, saugt die losen Körner an und bläst sie – wuuuuusch – nach oben. Durch den Einfülltrichter rutschen die Körner dann ins Schüttgutsilo. 100 Prozent elektrisch und ohne Muskelkraft. Maloche trotzdem, wenn auch andere als auf dem Reliefbild zu sehen.

Der Speicherbau wurde im Jahr 1938 errichtet. Hoch aufragend mit seiner schlichten Backsteinfassade steht die Architektur in klarer Linie mit den Bauhaus-Prinzipien. Er erinnert auch ein wenig an den amerikanischen Städtebau mit seiner Vorliebe für Ziegel und hochhausähnliche Bausweisen, wie er dort in den 1920er Jahren aufkam. Irgendwo meine ich gelesen zu haben, dass das Reliefbild an der Schräge von der Bilker Hitlerjugend beauftragt wurde – aber wohl erst nach dem Krieg angebracht. Die Quelle dazu kann ich gerade nicht mehr finden, werde sie aber nachliefern und hier einfügen, wenn ich sie finde. Es würde jedenfalls passen.

„Getreidesilo – Lagerhaus – Paul Lamers KG“ steht auf dem Schild an der Elektro-Pumpe, die über ein Pumpenhaus gebaut wurde. Bitte nicht verwechseln: Das Silo war das große Backsteingebäude, nicht der grüne kleine Turm. Übrigens heißt das Metall-Ding offiziell „Getreideienfülltrichter und Rohr für die pneumatische Sauganlage“.

Wie alle Gebäude im Medienhafen, die noch aus historischen Zeiten stammen, ist auch dieses als Denkmal geschützt. Das machte den Umbau zu einem moderne Bürogebäude zu einer echten Herausforderung: Nur an der Hafenbecken-Seite gab es überhaupt Fenster, sodass Tageslicht quasi nicht vorhanden war. Die Silozellen waren massive Betonröhren, die das Gebäude über mehrere Stockwerke hinweg durchzogen und die mit schwerem Gerät durchbrochen bzw. herausgelöst werden mussten. Völlig beeindruckend ist diese Dokumentation des historischen Getreidesilos und vor allem auch seiner Entkerung und der Umbauarbeiten:
https://www.rheinische-industriekultur.de/objekte/duesseldorf/lamers/lamers.html

Adresse:
Speditionstraße 13 und Julo-Levin-Ufer
Düsseldorf-Medienhafen

Habe ich Ihnen nun Lust auf die Architektur-Schätze des Medienhafens gemacht? Dann kontaktieren Sie mich bitte – und wir gehen dort gemeinsam spazieren…

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