Herrlicher Jugendstil – nur etwas weit oben

Mögen Sie Kaufhäuser? Was vor gut hundert Jahren der letzte Schrei war, wirkt heute schon vom Wort her leicht altbacken. Kaufhäuser sind vor allem praktisch: reingehen, finden was man sucht, fertig. Das ist die Regel. Mir hat es aber ein Kaufhaus angetan – das Gebäude an sich ist schlicht großartig: Der Kaufhof an der Kö.

Sein Architekt – Joseph Maria Olbrich – verstarb am 8. August 1908 und sah dieses prachtvolle Gebäude niemals vollendet. Wobei: An sein absolutes Meisterwerk – die Secession in Wien – kommt es nicht ran:

Secessionsgebäude, Wien. Architekt: Joseph Maria Olbrich

Der heutige Kaufhaus an der Kö wurde als Warenhaus Tietz gebaut. In Architektenkreisen gilt es als das „stilistisch einheitlichste und nach dem Kaufhaus Wertheim in Berlin bedeutendste Warenhaus in Deutschland vor dem 1. Weltkrieg“.
An der Ecke ist eine sehr schön gestaltete Tafel zu Ehren von Olbrich angebracht … oft allerdings stehen Menschen wartend davor, sodass man sie häufig übersieht.

Wenn Sie das nächste Mal vor dem Gebäude stehen – am besten an der gegenüberliegenden Ecke – dann heben Sie doch den Blick nach oben: Dort sehen Sie an beiden Schmuckgiebeln Gesichter. Manche meinen, es seien Fratzen. Aber schauen Sie genau hin, betrachten Sie die Details. Plötzlich sehen Sie Figuren im Gesucht – Menschen, Frauen. Nackte Frauenleiber formen Kinn, Wangen, Augenbrauen. Nehmen Sie sich Zeit: Wie viele Körper sehen Sie?

Die Masken wurden vom Düsseldorfer Bildhauer Johannes Knubel gestaltet. Ich kann mir seinen Namen am besten mit der Eselsbrücke „Knubbel“ merken 😉 Von ihm stammt auch die Pallas Athene neben der Tonhalle.

Da die Familie Tietz jüdischer Herkunft war, litt sie enorm unter den Nationalsozialisten. Sie wurde zum Zwangsverkauf an Banken weit unter Wert gezwungen – und aus dem Warenhaus Tietz ging die heutige Galeria Kaufhof hervor. Ähnlich erging es übrigens auch Leonhards Onkel Hermann Tietz, dem Gründer der 1993 aufgelösten Hertie. Der Name dieser ehemaligen Warenhauskette setzt sich aus den Anfangsbuchstaben seines Vor- und Nachnamens zusammen.

Adresse:
Königsallee 1
Düsseldorf-Stadtmitte

Haben Sie nun Lust auf einen Kö-Bummel mit mir, um all die kleinen Dinge zu sehen, die Sie bisher immer übersehen haben? Dann kontaktieren Sie mich!

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