Lido im Malkasten

Die Schlemmerei im Lido im Malkasten begann mit noch warmem und enorm fluffigen Brot mit lecker gewürzter Butter. Da bei unserem Besuch jeder auf Vorspeisen verzichtete, kann ich dazu nichts schreiben. Wir starteten direkt mit den Hauptgang: Rosa gebratener Rehrücken, Boeuf Stroganoff (lang schon nicht mehr auf einer Karte gefunden, dieses typische 70s-Essen, Wolfsbarschfilets (leichte, angenehme Röstaromen über knuspriger Haut) auf Wirsing und Cremereis, Bergkäserisotto mit Wildpilzen, Tarte mit geschmortem Kürbis und roter Zwiebel, Filet vom Simmentaler Rind… Übrigens alles recht hübsch angerichtet und nett anzusehen.
Die Dessert-Auswahl ist nicht riesig, aber jeder hat etwas gefunden. Endlich scheint die französische Tradition des Café Gourmand auch in Deutschland anzukommen: Zum Verdauungs-Käffchen (Espresso, und es gibt ihn hier sogar entkoffeiniert) wurde ein Dreierlei an kleinen Nachspeisen kredenzt: Walnuss-Eis, Mousse au Chololat und Windbeutelchen. Von der Menge her hätten es auch kleinere Dessert-Portionen als Begleitung zum Kaffee sein können – dafür eventuell noch ein oder zwei unterschiedliche mehr. Aber das ist Meckern auf seeehr hohem Niveau. Das Karamell-Brownie war määäächtig schwer aber auch mächtig lecker.

Die drei Jahre beim französischen Star-Koch Alain Ducasse im „Ducasse Paris“ waren wohl prägend für den Küchenchef Florian Ohlmann. https://chefsclub-duesseldorf.de/chefs/florian-ohlmann/

Wir haben uns an dem Abend gefragt, was es im Malkasten so herrlich ungezwungen macht, dass es an die Studizeit erinnert – locker und unkompliziert? Die Bilder an den Wänden in Petersburger Hängung waren für uns zu weit weg, als dass sie Gesprächsstoff geboten hätten. Etwas zusammengewürfeltes Mobiliar – insbesondere die Stühle –  schafft Atelieratmosphäre. An dem Abend unseres Besuchs war das Lido ausgebucht, daher eine deutliche Geräuchkulisse, aber nicht unangenehm. Unangenehm wäre es vielleicht, wenn es zu leer ist und man sich als Gast auf dem Präsentierteller in dem einen großen Raum fühlen würde…

Noch ein paar Worte zum Service: Der war zwanglos wie beim Lieblingsitaliener – man unterhält sich und vergißt darüber die Wartezeit. Die war allerdings erheblich. Für die Bestellungen war der Service sehr präsent und auch mehrfach am Tisch – danach hätte während der Wartezeit noch eine Runde gut getan. Mit vier Leuten im Raum war nicht mehr zu leisten, um diesen ruhigen unaufgeregten Service hinzubekommen. Auf Zeichen war er dann ja auch da. Ein Hingucker ist die offene Küche: Wirklich integriert, nicht hinter Scheiben, damit Teil des Geschehens. Erstaunlich, dass Lüftung und Küchengeräusche nicht das Untereinander stören. Diese Küche ist Luxus, weil sie Platz kostet für zahlende Gäste, weil die Arbeitsabläufe total sauber sein müssen, weil die Technik nicht den Restaurantbetrieb aus den Fugen bringen darf.

Fazit: Enorm gutes Preis-Leistungsverhältnis, lockere Atmosphäre, netter Service – wenn auch bei voll besetztem Lokal ziemlich lange Wartezeiten. Aber wir waren ja eh zum Reden da 🙂 Das Essen ist sein Geld wert – und wir waren uns einig, dass dieses Lokal spätestens im Sommer wieder besucht werden sollte, wenn die Terasse geöffnet ist.  

Wenn wir gewusst hätten, wer die tätowierten Typen in den schwarzen T-Shirts am Nebentisch waren, hätten wir bis zu 800 Euro für ein Meet&Greet sparen können. Wir hätten nur rübergehen müssen zu den Profi-Wrestern rund um „The Undertaker“.
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Undertaker

Lido Malkasten
Jacobistraße 6
Düsseldorf-Stadtmitte/Pempelfort  

Dieser Beitrag wurde unter Besondere Orte in Düsseldorf, Essen und Trinken, Tipps und Infos abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.