Immendorffs Maleraffe

Die Affen rasen durch den Wald … und ein paar davon sind auch im Großstadtdschungel von Düsseldorf heimisch. Es sind die Maleraffen, wie unschwer am Pinsel zu erkennen, den sie mit dem Schwanz schwingen. Einen Eimer mit Farbe halten sie in den Händen.

Als „Maleraffe“ bezeichnete sich einst Jörg Immendorff selbst – beziehungsweise sein Alter Ego – „Das andere Ich“. Er wollte damit seine fehlende Verehrung für die Künstlerszene ausdrücken, gegen die Überhöhung eines Menschen protestieren. Immendorffs ironisches Motto: „Wer bin ich schon? Ein Maleraffe halt.“ Ganz der Schüler von Joseph Beuys, der ja jedermann in seine Klasse aufnahm, denn jeder ist ein Künstler. Die Graffiti-Maleraffen sind sein Markenzeichen, eine Reminiszenz an ihn, vielleicht sogar ein Zeichen von Ehrerbietung von einem heutigen Fan des großen Künstlers. Von wem die Schablonen stammen? Ist mir unbekannt.

„Ich war antiautoritär und spöttisch“, soll Immendorff mal über sich selbst gesagt haben. So verwundert es nicht dass er 1968 Hausverbot an der Kunstakademie in Düsseldorf erhielt. Er erklärte damals konservative Professoren per Flugblatt für abgesetzt, kämpfte gegen Mietwucher, war damals Mitglied der maoistischen KPD. Mit der deutschen Teilung konnte er sich nie so ganz abfinden, kooperierte eine Zeitlang eng mit dem Dresdner Maler A.R. Penck und schuf den weltberühmten Bilderzyklus „Café Deutschland“. 1996 – im Alter von 51 Jahren – wurde Immendorff Professor an der Düsseldorfer Kunstakademien – genau die Institution also, die ihm 20 Jahre vorher Hausverbot erteilt hatte. Das hat ihm sicher gefallen – Ironie der Geschichte 🙂

Immendorff steht aber auch für einen handfesten Drogen- und Sex-Skandal, der ihn auch außerhalb der Kunstszene unvergesslich machte: Irgendjemand gab der Polizei wohl einen Tipp, denn bei einer Razzia im noblen „Steigenberger Parkhotel“ wird Immendorff mit neun (9!) Prostituierten in einer Suite erwischt. Etliche Gramm Kokain fand man außerdem. Er erhielt zwei Jahre auf Bewährung und 150.000 Euro Geldstrafe wegen Dealens. Immendorff ist zu diesem Zeitpunkt längst dem Tode geweiht, denn etwa 1999 war bei ihm die unheilbare Nervenkrankheit ALS (Amyothrophe Lateralsklerose) diagnostiziert worden. Vielen ist ALS bekannt durch die „Ice Bucket Challenge“. Ärzte prophezeiten ihm nur noch ein bis zwei Jahre – doch er kämpfte und lebte noch fast zehn Jahre lang. Jörg Immendorff starb am 28. Mai 2007 – in dieser Woche jährt sich sein Todestag zum 13. Mal.

Nicht der Schablonen-Maleraffe: In der Nähe des Ehrenhofs findet sich dieser Affe.

Hier noch ein paar Links zu Immendorff und dem Maleraffen:
https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/immendorff-zwischen-maleraffe-und-szene-kneipen_aid-8749841
https://www.galerie-bode.de/de/techniques/S/work/maleraffe

Immendorffs Affen waren vor allem um die Jahrtausendwende in Düsseldorf in aller Munde – als es das „Monkeys Island“ noch gab, dort wo heute das Hyatt Regency Hotel im Medienhafen steht.

Auch heute steht im Medienhafen eine Immendorff-Skulptur: der Hans Albers am Ende (oder Anfang) der Living Bridge.

Haben Sie nun Lust auf eine Führung durch den Medienhafen bekommen? Oder möchten Sie mit mir auf den Spuren von Street Art und Kunst im öffentlichen Raum wandeln? Bitte kontaktieren Sie mich!

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